Mir raucht der Kopf
Irgendwoher kommt das Zeug, an das man denken muss und das man als exzessiver Schreiber aufs Papier spuckt, damit es irgendwer liest. Inspiration nennen es die einen, Faulheit die anderen und ich sag dazu mal zwischen Kohle, Knast und Küche. Meine Taskleiste ist schön breit, passt viel drauf, und während hinter mir die elektrischen Angestellten das tun, wozu ich schon seit Jahren zu faul bin, schaffe ich Organisationstalent es lässig, mich zwischen Datenmassen, für die ich bezahlt werde, blutigen literarischen Ergüssen – meiner Freizeitbeschäftigung – und Internet geschmeidig hin- und herzubewegen.
Das führt dazu, dass mein Hirn täglich viel Input bekommt, was wiederum dazu führt, dass Themenwechsel generell von Vorteil ist, weil zu viel Wissen irgendwann doch was macht, und mittags kurz alles geleert werden muss, wenn ich Lola rennt spiele.
Dann geht’s weiter.
Gelesen habe ich in den letzten Tagen u.a. viel übers Rauchen bzw. Nichtrauchen. Guckst du hier? Na, guck ruhig (das Beiwerk mal querlesen). Und da ging mir auf, dass ich vor Jahren dazu mal was geschrieben hatte, so als alte Raucherin. Keine Ahnung, wo der Text heute ist, vermutlich in Rauch aufgelöst. Aber es ist immerhin ein Thema, sogar aktuell politisch, weil jeder Nicht-Konsument von Tabak ordentlich auf die Kacke haut, von wegen rauchfreie Zonen, Gesundheitsschädlinge usw.
Ich habe jetzt gerechnet und kann mit Stolz verkünden, dass ich irgendwann im Frühjahr Silberrauchzeit feiere (Datum wird noch rechtzeitig bekannt gegeben und mit den Einladungen verschickt).
25 Jahre Nikotinabusus, das ist ne reife Leistung. Zumal meine Lunge außergewöhnlich gut in Schuss ist und die Bronchien bis heute weder rasseln noch muss ich mir morgens den Schlaf aus dem Hals husten.
Nun bin ich eigentlich immer Nichtraucher-freundlich gewesen, will sagen, wer der Qualm nicht abkonnte, der brauchte mich nicht besuchen, nicht mit mir ausgehen, sich nicht neben mich setzen. Soziale Einschränkungen oder Diskriminierungen sind mir eigentlich fremd, denn … zeig mir deine Freunde, und ich sage dir, was du rauchst …
Wenn man gutmenschlich ist (ist das nicht ein klarer Favorit für das nächste Unwort des Jahres?), stets bemüht, anderen nur mit einem Augenzwinkern auf den Schlips zu treten – wobei ich ungerne zugebe, dass das Zwinkern manchmal unecht ist und der Schmerzschrei doch gewollt – fühlt sich das irgendwann lasterlos an. Ein Kultspruch, abgewetzt, aber immer noch gegenwartstauglich: „… hab ja sonst keine Laster …“ Höhö.
Dennoch gab es, zugeben, Momente, in denen ich vage darüber nachdachte, ob ich die Raucherei nicht lassen sollte. Doch ein wirklich guter Grund ist mir dafür nicht eingefallen.
Finanzielle Motive vor mir selbst plausibel zu belegen, geht nicht, weil ich keine Rechnung aufmachen kann. Ich stopfe und drehe seit Jahren, weiß nicht mal, was i.A. eine Schachtel am Automaten kostet, und stoße damit an meine mathematischen Grenzen, die ansonsten aussähen wie: 1 Schachtel x 19 Zigaretten pro Tag x 7 x 52 = 6 Wochen Urlaub in Dubai mit der Familie. Weiß also nicht, was ich pro Jahr in die Tabakindustrie investiere. Und das ist auch gut so, denn sonst könnte ich sicher nicht verhindern, ähnliche Pläne zu machen wie die Entzugscholeriker, die sich schon in Villen am Miami Beach sehen, die sie er-nichtrauchen wollen. Ich kenne zwar etliche Mitmenschen, die es geschafft haben und sich der Abhängigkeit entziehen konnten, doch reich geworden sind die auch nicht. Vielleicht fett, aber nicht reich. Oft griesgrämig, aber nicht reich. Spießig, aber nicht reich. Rückfällig, und dann erst recht nicht reich.
Ich handhabe die Rauchfinanzen ähnlich wie die Tankfinanzen. Schon um die Nerven zu schonen. Anpassung ist alles, und da ich auch immer nur für 20 Euro tanke … so geht die allgemeine Teuerungsrate ziemlich unbeachtet an mir vorüber (in diesen Bereichen wenigstens).
Zwei Mal in den letzten 25 Jahren war ich „trocken“. Freiwillig. Doch ich hab mich auf die erste Zigarette nach der Geburt fast genauso gefreut wie auf die Kinder selbst. Und der Gedanke, mich selbstzerstörerisch zu geißeln und grundlos auf die Glimmstängel zu verzichten, ist mir, ehrlich gesagt, noch nie wirklich gekommen.
Die Gesundheit, ein immer wieder gern genommener Grund, um Raucher drauf aufmerksam zu machen, wie gefährlich sie leben, wie sehr sie der Umwelt schaden und wie bescheuert sie doch sind. „RAUCHER STERBEN FRÜHER“ heißt es da beispielsweise. Frag ich mich, früher als wer? Frag ich mich weiter, wieso auf Bierflaschen noch nicht steht: „WER ALKOHOL TRINKT, KRIEGT LEBERKREBS“. Oder auf Autos: WER SCHNELLER FÄHRT IST LÄNGER TOT“.
Diese Sucht zu beschönigen, gutzuheißen oder sogar andere dazu zu animieren, käme mir nicht in den Sinn. Aber mal im Vertrauen: Wenn man sich irgendwann dazu entscheidet, sein Leben als Raucher zu gestalten, dann ist das doch eine ziemlich persönliche Angelegenheit. Fast so wie das Tragen eines Parfüms. Sämtliche Urvölker frönten schon dem Qualm, aus sozialen oder entspannungstechnischen Gründen. Und … mein lieber Jolly … ich will nicht wissen, was die sich damals so reingepfiffen haben. Dagegen dürfte der 69er Sommer blass aussehen.
Rauchen hat also durchaus auch einen kulturellen Aspekt, neben dem ungesunden, der nicht unerwähnt bleiben sollte.
Bleibt die Frage, welchen Sinn würde es machen – außer, dass ich vielleicht künftig gesünder lebe und vielleicht in ein paar Jahren tot umfalle, weil dummerweise ein besoffener Autofahrer Gas mit Bremse verwechselt – mir dieses lustvolle Laster zu versagen, mich gereizt und gefrustet durch den Entzug zu quälen (was für meine Umwelt nicht weniger schädlich ist), entsetzt dem Wachstum meines Körperfetts zuzuschauen und um anschließend den Rest meines Lebens entweder zum toleranzfreien Nichtraucher zu mutieren und eine ganze Menschenrasse zu verdammen oder bei jeder kleinen Rauchwolke nervös und wehmütig in Erinnerungen zu versinken und zwar nichtrauchend, aber deprimiert meinen restlichen Weg gehen zu müssen (der, glaubt man den Gesundheitsaposteln, ohne Nikotin ganz schön lang sein kann).
Aber gut, lassen wir das. Ich geh jetzt erst mal was rauchen. Und solange ich mich drauf freue DAS zu tun, die kleinen Sargnägel nicht verfluche und mich völlig frei in meiner Abhängigkeit fühle, hat es auch wenig Sinn einen Grund zu kreieren, der mich zu einem 100%-Gutmensch werden lässt.
Passend zum Thema noch was um die Ohren:
Das führt dazu, dass mein Hirn täglich viel Input bekommt, was wiederum dazu führt, dass Themenwechsel generell von Vorteil ist, weil zu viel Wissen irgendwann doch was macht, und mittags kurz alles geleert werden muss, wenn ich Lola rennt spiele.
Dann geht’s weiter.
Gelesen habe ich in den letzten Tagen u.a. viel übers Rauchen bzw. Nichtrauchen. Guckst du hier? Na, guck ruhig (das Beiwerk mal querlesen). Und da ging mir auf, dass ich vor Jahren dazu mal was geschrieben hatte, so als alte Raucherin. Keine Ahnung, wo der Text heute ist, vermutlich in Rauch aufgelöst. Aber es ist immerhin ein Thema, sogar aktuell politisch, weil jeder Nicht-Konsument von Tabak ordentlich auf die Kacke haut, von wegen rauchfreie Zonen, Gesundheitsschädlinge usw.
Ich habe jetzt gerechnet und kann mit Stolz verkünden, dass ich irgendwann im Frühjahr Silberrauchzeit feiere (Datum wird noch rechtzeitig bekannt gegeben und mit den Einladungen verschickt).
25 Jahre Nikotinabusus, das ist ne reife Leistung. Zumal meine Lunge außergewöhnlich gut in Schuss ist und die Bronchien bis heute weder rasseln noch muss ich mir morgens den Schlaf aus dem Hals husten.
Nun bin ich eigentlich immer Nichtraucher-freundlich gewesen, will sagen, wer der Qualm nicht abkonnte, der brauchte mich nicht besuchen, nicht mit mir ausgehen, sich nicht neben mich setzen. Soziale Einschränkungen oder Diskriminierungen sind mir eigentlich fremd, denn … zeig mir deine Freunde, und ich sage dir, was du rauchst …
Wenn man gutmenschlich ist (ist das nicht ein klarer Favorit für das nächste Unwort des Jahres?), stets bemüht, anderen nur mit einem Augenzwinkern auf den Schlips zu treten – wobei ich ungerne zugebe, dass das Zwinkern manchmal unecht ist und der Schmerzschrei doch gewollt – fühlt sich das irgendwann lasterlos an. Ein Kultspruch, abgewetzt, aber immer noch gegenwartstauglich: „… hab ja sonst keine Laster …“ Höhö.
Dennoch gab es, zugeben, Momente, in denen ich vage darüber nachdachte, ob ich die Raucherei nicht lassen sollte. Doch ein wirklich guter Grund ist mir dafür nicht eingefallen.
Finanzielle Motive vor mir selbst plausibel zu belegen, geht nicht, weil ich keine Rechnung aufmachen kann. Ich stopfe und drehe seit Jahren, weiß nicht mal, was i.A. eine Schachtel am Automaten kostet, und stoße damit an meine mathematischen Grenzen, die ansonsten aussähen wie: 1 Schachtel x 19 Zigaretten pro Tag x 7 x 52 = 6 Wochen Urlaub in Dubai mit der Familie. Weiß also nicht, was ich pro Jahr in die Tabakindustrie investiere. Und das ist auch gut so, denn sonst könnte ich sicher nicht verhindern, ähnliche Pläne zu machen wie die Entzugscholeriker, die sich schon in Villen am Miami Beach sehen, die sie er-nichtrauchen wollen. Ich kenne zwar etliche Mitmenschen, die es geschafft haben und sich der Abhängigkeit entziehen konnten, doch reich geworden sind die auch nicht. Vielleicht fett, aber nicht reich. Oft griesgrämig, aber nicht reich. Spießig, aber nicht reich. Rückfällig, und dann erst recht nicht reich.
Ich handhabe die Rauchfinanzen ähnlich wie die Tankfinanzen. Schon um die Nerven zu schonen. Anpassung ist alles, und da ich auch immer nur für 20 Euro tanke … so geht die allgemeine Teuerungsrate ziemlich unbeachtet an mir vorüber (in diesen Bereichen wenigstens).
Zwei Mal in den letzten 25 Jahren war ich „trocken“. Freiwillig. Doch ich hab mich auf die erste Zigarette nach der Geburt fast genauso gefreut wie auf die Kinder selbst. Und der Gedanke, mich selbstzerstörerisch zu geißeln und grundlos auf die Glimmstängel zu verzichten, ist mir, ehrlich gesagt, noch nie wirklich gekommen.
Die Gesundheit, ein immer wieder gern genommener Grund, um Raucher drauf aufmerksam zu machen, wie gefährlich sie leben, wie sehr sie der Umwelt schaden und wie bescheuert sie doch sind. „RAUCHER STERBEN FRÜHER“ heißt es da beispielsweise. Frag ich mich, früher als wer? Frag ich mich weiter, wieso auf Bierflaschen noch nicht steht: „WER ALKOHOL TRINKT, KRIEGT LEBERKREBS“. Oder auf Autos: WER SCHNELLER FÄHRT IST LÄNGER TOT“.
Diese Sucht zu beschönigen, gutzuheißen oder sogar andere dazu zu animieren, käme mir nicht in den Sinn. Aber mal im Vertrauen: Wenn man sich irgendwann dazu entscheidet, sein Leben als Raucher zu gestalten, dann ist das doch eine ziemlich persönliche Angelegenheit. Fast so wie das Tragen eines Parfüms. Sämtliche Urvölker frönten schon dem Qualm, aus sozialen oder entspannungstechnischen Gründen. Und … mein lieber Jolly … ich will nicht wissen, was die sich damals so reingepfiffen haben. Dagegen dürfte der 69er Sommer blass aussehen.
Rauchen hat also durchaus auch einen kulturellen Aspekt, neben dem ungesunden, der nicht unerwähnt bleiben sollte.
Bleibt die Frage, welchen Sinn würde es machen – außer, dass ich vielleicht künftig gesünder lebe und vielleicht in ein paar Jahren tot umfalle, weil dummerweise ein besoffener Autofahrer Gas mit Bremse verwechselt – mir dieses lustvolle Laster zu versagen, mich gereizt und gefrustet durch den Entzug zu quälen (was für meine Umwelt nicht weniger schädlich ist), entsetzt dem Wachstum meines Körperfetts zuzuschauen und um anschließend den Rest meines Lebens entweder zum toleranzfreien Nichtraucher zu mutieren und eine ganze Menschenrasse zu verdammen oder bei jeder kleinen Rauchwolke nervös und wehmütig in Erinnerungen zu versinken und zwar nichtrauchend, aber deprimiert meinen restlichen Weg gehen zu müssen (der, glaubt man den Gesundheitsaposteln, ohne Nikotin ganz schön lang sein kann).
Aber gut, lassen wir das. Ich geh jetzt erst mal was rauchen. Und solange ich mich drauf freue DAS zu tun, die kleinen Sargnägel nicht verfluche und mich völlig frei in meiner Abhängigkeit fühle, hat es auch wenig Sinn einen Grund zu kreieren, der mich zu einem 100%-Gutmensch werden lässt.
Passend zum Thema noch was um die Ohren:
SabineD - Jan 24, 11:19
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