02. 03. 07

Selbstverständlich koste ich Geld

Und gleich noch einen hinterher, des Selbstbewusstseins wegen ;)

Man ist manchmal einfach nur blöde. Oder braucht eine Zeit, bis man begreift, wessen Kindes Wert man (frau) hat.
Ist es eigentlich typisch für uns Frauen, besonders für uns Freiberufliche, dass wir ständig über den Tisch gezogen werden oder werden sollen?
Letztens gab es eine heiße Diskussion unter uns seelenverwandten Krimiautorinnen. Da stritten die, die ausschließlich gegen Geld publizierten, lasen und Texte zur Verfügung stellten, mit denen, die noch relativ „frisch“ und daher dankbar sind, wenn sie überhaupt Möglichkeiten bekommen, ihre Texte vorzustellen und erste Wahrnehmung erfahren. Das macht natürlich stolz und glücklich und die Argumente waren auf beiden Seiten nachvollziehbar.

Doch die Idee, dass Schreiben etwas ist, das man freiwillig und unentgeltlich der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt oder zumutet, je nach dem, schmeckt süß-sauer. Natürlich, wenn ich manisch schreibe und vor Lust sprühe, habe ich bei vielen Dingen kein Problem damit, wenn es jemand „für lau“ liest, auf der anderen Seite ist es tatsächlich ein Job, der teilweise schon in die Kategorie harte Arbeit rutscht. Da haut mir mein innerer Schweinehund ganz schön um die Ohren, wenn ich mich, nett danke sagend, verbeuge und froh bin, wenn wer was von mir liest oder geschrieben haben will.

Ähnlich war es zu Beginn in meinem Job. Ich habe mich vor lauter Zuvorkommenheit schier überschlagen, probegearbeitet, umsonst getextet, korrigiert und gelesen, Stunden in Recherchen gesteckt und dabei auf Honorar verzichtet … manchmal freiwillig, weil ich einfach nur dämlich war und dachte, mit Freundlichkeit lassen sich Kunden machen (ja, so dämlich), manchmal gezwungener Maßen, weil meine Kundschaft sich in Nichts auflöste. Und es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mir über meine eigene Blödheit und Vertrauensseligkeit in den Arsch gebissen habe.
Aber das sind Erfahrungswerte, die man machen muss, um zu lernen, dass es so falsch ist.

Vor kurzem fragte mich jemand, ob ich nicht Interesse hätte, regelmäßig für seine Zeitung zu schreiben. Natürlich war ich gleich Feuer und Flamme, auch, weil mir das Thema sympathisch war. Dann fragte ich nach den Bedingungen und erhielt erstaunt zur Antwort: „Wie? Sie wollen Geld dafür? Das geht aber nicht, seien Sie doch froh, dass Sie diese Chance überhaupt bekommen, andere würden sich alle 10 Finger danach lecken.“
Vor ein paar Jahren hätte mich das zutiefst beeindruckt. Doch heute bekam dieser jemand von mir zur Antwort: „Dann müssen wohl die anderen schreiben. Ich bin aus dem Alter raus, wo ich an meinen Fingern lecke.“

Man mag darüber denken, was man will, doch eins ist ziemlich sicher: Wenn ich arbeiten soll, koste ich selbstverständlich Geld.

Das Frau

Die Medienwelt ist aufgewühlt, die Fronten verhärten sich. Seit dem Eva Prinzip kocht die Emanzipationssuppe wieder hoch, Weicheier melden sich zu Wort und beschimpfen Frau Hermans Plädoyer back to our basics, wohingegen die letzten Helden des Landes Beifall klatschen und während sich die Kämpferinnen erneut und engagiert diskriminiert fühlen, kämpft Frau von der Leyen für Krippenplatzansprüche gleich nach der Muttermilch.

Ehrlich gesagt, bin ich der Diskussionen über den Stellenwert der Frau in der Gesellschaft überdrüssig. Wo leben wir denn? Wir sind noch nicht in Hinterasien und müssen um Verluste durch Beschnitt oder Steinigung fürchten. Wir haben Möglichkeiten, Chancen, vor allem haben wir die Wahl. Und wer wählen kann, trifft Entscheidungen nach eigenem Ermessen, oder?

Hausfrau kontra Medieneinfluss, sprich: Vorzeigefrau. Reich und schön, klug und multitalentiert, nie gestresst und ein goldnes Händchen für alles, Mutter und Moneten, Herd und Handel, Mann und Maniküre unter einen Hut bringend. Da ist Krieg, da wird geboxt und gestritten, gemobbt und gebesserwusst. Doch um wen geht’s hier eigentlich? Schwarzer gegen Herman oder Frau gegen Mann? Politik gegen Bewohner oder Frau gegen Frau? Ich weiß es nicht, ich habe den Blick verloren.

Bin ich als Frau neuerdings ein Ding, um das sich ein ganzes Land streitet oder sorgt, eine Sache vielleicht? Die Frau schlechthin in ihrer Rolle, die sie hat, gerne hätte, haben sollte, nie mehr haben soll oder nie haben wird – Kasperltheater. Ich messe mich vielleicht jetzt an den Diskussionen, überdenke meinen Status, schließe mich der Herde an, die am lautesten brüllt oder gehe in die Defensive und schäme mich dafür, dass ich nicht bin, wie ich sein sollte, wie alle wollen, dass ich bin.

Was machen wir jetzt bloß mit DER FRAU, was soll sie haben, was bleibt ihr versagt? Ist Kinderkriegen eigentlich noch Privat- oder schon Staatssache? Gehört mein Bauch noch mir oder der großen Koalition? Darf ich selbst entscheiden, ob ich die Pille nehmen will oder wird die jetzt von unseren Politikern nur noch denen verschrieben, die laut Statistik schon genug Kinder bekommen haben? Soll ich mich freuen, wenn ich nach dem Babyblues gleich zurück ins Büro oder jedweden anderen Arbeitsplatz kehren kann und mein Kind zwar als erstes Wort „Mama“ krächzt, aber mich unmöglich damit meinen kann? Sind Wunschkinder künftig die, die man sich erst dann wünscht, weil man schon vor der Schwangerschaft eine Nanni reserviert hat? Und muss ich Beifall klatschen, wenn die Diskussion über die Anrechnung von Erziehungs- oder Hausfrauenjahren auf die Rente versiegen, weil es mich nicht mehr zu interessieren braucht, denn diese Jahre sind schließlich nicht mehr nötig, was mir vollste Ansprüche beschert – immerhin kann ich durcharbeiten.

Man verzeihe mir, aber ich fühle mich mittlerweile ver-dingt und verwirrt. Teil einer Statistik, Teil einer Diskussion, die ohne mich abläuft, Teil eines Piranha-Schwarms, der beginnt, sich selbst aufzufressen, weil das Futter rar wird. Versuche mich und mein Geschlecht zu definieren, doch mir fehlen schlichtweg die Worte. Unsere Kinder heißen Humankapitel – wie wird man uns irgendwann nennen? Gebärmaschine kursiert schon kräftig durchs Land. Doch wir bekommen immer weniger Kinder. Vielleicht Evolutionsbremsen?

Die Frau als innerpolitisches Thema, Wege und Weichen für die Zukunft, Berufung auf die Vergangenheit, Forderungen und Pläne, wie es werden soll, wie frau es will, wie wir es verdient haben. Haben wir? Oder haben wir einfach vergessen, dass wir schon lange die Wahl haben, selbstständig denken können, Intelligenz besitzen, Möglichkeiten haben, die wir nutzen können oder auch nicht und Entscheidungen treffen, ob zum Wohl der Familie, der Gemeinschaft oder zu unserem eigenen. Und warum sind wir Herrinnen der Schöpfung trotzdem nicht in der Lage, uns, anstatt für Krippenplätze oder völlig überflüssigen Emanzenkram, dafür einzusetzen, dass wir als Familien vom großen Steuerkuchen so profitieren, um Familie leben und bleiben zu können? Unser Land hat kein Geld? Ich lach mich tot. Natürlich hat es kein Geld, aber nur, weil es das Kapital in eine Menge Dinge steckt, die so überflüssig sind wie Bauchschmerzen. Jedenfalls für die Allgemeinheit.


Manchmal denke ich, dass frau vergisst (ich mag diesen „man-Ersatz“ mindestens genauso gerne, wie ich das „Innen“, das an alles gehängt werden soll, überzeugend finde), was sie ist und vor allem, was sie wirklich will. Oh ja, ich habe selbst jede Menge weibliche Bekannte, die laut verkündet haben: Ich will aber arbeiten, Familie und Haushalt lastet mich nicht aus, ich brauche meine Selbstständigkeit, mein eigenes Geld, will nicht abhängig sein von meinem Mann (in Deutsch heißt das meiner Meinung nach: Ich will Sicherheit, falls mir eines Tages danach ist, meinen Ernährer vor die Tür zu setzen – oder er mich). Ob die glücklich sind? Sagen wir mal so: Die meisten machen früher oder später eine Rechnung auf, die unterm Strich aussagt, es sind verdammt harte Jahre. Traurig? Traurig.

Ich hab zwei Kinder, bin nie lange zuhause geblieben, und alles nur, um den Lebensstandard der Vor-Familien-Situation halten zu können, was auch nie wirklich geklappt hat und mit Kindern, die Geld kosten, und Halbtagsjobs auch kaum möglich ist. Heute sitze ich glücklicherweise an einem kündungsresistenten Arbeitsplatz, der auch noch zuhause ist, und schaffe den Spagat zwischen Kindern und Küche einigermaßen. Doch … ganz ehrlich … ich hätte mir gewünscht, in den Jahren, wo es wichtig war, ganz relaxt daheim bleiben zu können. Ohne Angst, dass mich der Rentenhammer erschlägt, ohne Angst, ich könnte im Fall einer Scheidung (und ich finde es schon bedenklich, dass eine glücklich verpartnerschaftliche Verbindung heutzutage dieses Risiko behandelt wie einen Versicherungsfall, gegen den man sich nur durch regelmäßige Beitragszahlung absichern kann) dumm aus meiner frisch gewaschenen Wäsche schauen und vor allem ohne Angst, als weibliches Mitglied der Gesellschaft nicht zu genügen. Denn die Gesellschaft geht es einen Scheißdreck an, ob ich in meiner weiblichen Rolle lieber hausfraulich oder karrieremäßig drauf bin – oder beides zusammen, was dann mein Problem ist.

Wir Frauen und unsere Zukunft, unser Status, sind ein Thema, und damit werden wir zur Sache. Und wenn die Frau zur Sache wird und ich diesen Gedankenfaden weiterspinne, lande ich früher oder später bei: Das Weib. Schon komisch, oder?

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