20. 04. 07

Gehirnwäsche

Es passiert jeden Tag. Da kennt man einen Menschen schon ein ganzes Leben lang und plötzlich steckt ein Fremder in der bekannten Haut. Verwirrend und unglaublich, oder?
Was ist da eigentlich los?
Nun könnte man sagen, derjenige ist vielleicht erkrankt. Gehirntumor, Blutgerinsel, Parkinson oder verfrühte Altersdemenz ... Möglichkeiten gäbe es viele. Doktor House hätte da bestimmt einige schlaue Diagnosen im Holzbein.

Manchmal heißt die Antwort aber auch nur Umfeld oder Mitmensch.
Einer, vielleicht ein lieber, netter, ruhiger Genossen, lernt einen anderen kennen, der vielleicht nicht so lieb, nett oder ruhig ist, der aber vor allem aber dominanter (oder auch nur lauter schreien kann) ist, und plötzlich fügt sich der Ruhige, schlüpft in die Hosen seines wichtigen Nebenmenschen und erklärt die passend für den eigenen Arsch, obwohl alle Betrachter sehen, dass es da aber gehörig zwickt und kneift - oder schlabbert, je nach dem, je nach wem.

Nun sind Menschen ja von Geburt aus intelligent, nehm ich an, wenngleich auch hilflos und abhängig. Doch im Laufe der Jahre lernt man dazu, kann besser alleine und hat so seine eigenen Kopfgedanken und Wesenszüge, die es zu pflegen gilt. Man gewöhnt sich halt an sich und kommt gut damit klar.
Da sollte man doch denken, dass solche sonderbaren Konstellationen, wo einer den anderen in die Tasche packt und auf Links dreht, nicht gerade häufig vorkommen - immerhin hat man ja seinen Platz im Leben grob gefunden.

Was also kann einen fertigen Menschen dazu bewegen, wieder ins Säuglingsstadium zurückzukriechen und alles abzunicken, was ein anderer ihm diktiert - blickt man doch auf ein eigenes Leben mit diversen Erfahrungen zurück, die einen Großteil der augenblicklichen Intelligenz geformt haben.
Existenzängste vielleicht. Die Frage, was wird wohl aus mir werden, wenn ich mich wieder zurückhaben will und nicht mehr nach der Pfeife mit den schiefen Tönen tanze? Finanzielle Abhängigkeit? Davon sind ja oft Männer betroffen, also von der Abhängigkeit ihrer Frauen. Mal so, mal so. Emotionnelle Abhängikeit, hm ... kann man wen schätzen und achten, der wie ein Bulldozer durchs eigene Leben rauscht und alles kurz und klein schlägt, was gut und beständig für einen war? Der Liebe wegen, oder wie immer man das nennen mag. Oder wegen Sex? Nach dem Motto: Hauptsache, es fickt sich gut?

Vielleicht ist es aber auch einfach nur eine Art von Scham, sich einzugestehen, dass man an sich vorbei gelebt hat und in diesem klitzekleinen Leben, das man hat, in der Zeit ganz vielen Menschen, die man eigentlich mag und die wichtig sind, dermaßen eine verbraten hat, dass es nur so rasselt im Karton. Die Angst, nicht mehr zurück zu können und sich nun arrangieren zu müssen, und wenn's noch so beschissen ist.
Aber vielleicht ist es auch wirklich eine Krankheit, die einen Menschen so verändert, dass er sich selbst verliert und plötzlich ein anderer ist.

Wer weiß, wer weiß.

Das war die Frage zum Wochenende. Ich erbitte mir hilfreiche Aufklärungsversuche oder Lösungsvorschläge.

Wünsche sonnige Tage und nette Quickis

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