24. 10. 07

... ich komm wieder, keine Frage

Wenn es dämmert, stehen im Moment die Chancen ganz gut, dass der Feierabend nicht mehr weit ist. Die absolute Finsternis trifft dann etwa mit dem Zeitpunkt zusammen, an dem hier in der Rumpekammer im Büro die Lichter ausgehen und der gute alte Scaleo seufzend schweigt.
Da es im Sommer im so lange hell ist und ich dementsprechend den Abend oft erst dann finde, wenn er schon angefangen hat, habe ich mir überlegt, meinen Feierabend ab jetzt so zu legen, dass er genau dann beginnt, wenn es dunkel wird.
Das wäre dann: gleich.
Ich bin einfach ein Lichtkind, auch wenn es Jahre gab, in denen ich getan habe, als wäre ich eine Nachteule.
(Muss man eigentlich immer erst über 30 werden, bis man sich was eingestehen kann?)
Aber - so gefällt mir der Herbst.

Ich fahre, also bin ich ...

Wir haben hier seit letztem Jahr einen Kreisel im Ort (Kreisverkehr, versteht sich). Eigentlich ist es mehr ein Kreiselchen, aber immerhin, ganz schön modern. Das Kreiselchen hat sogar den Vorteil, dass man es einfach übersehen und gradeaus drüber fahren kann. Man muss also nicht zwangsläufig im Kreis fahren, wenn's die Gegebenheiten erlauben. Aber man kann.

Diesem Kreiselchen fiel eine Ampelanlage zum Opfer, die früher für Zorn und rote Wellen sorgte (bei mir war immer Rot, egal, von welcher Seite ich kam ...).
Nun sind ja Kreisel selbst keine hinterländische Erfindung sondern in vielen Ländern und Städten mittlerweile Standard. Ich kann mich zwar nicht erinnern, dass ich 1983 gerlernt habe, wie man so ein Teil durchfährt, aber Wissen kann man sich ja aneignen.
Gott sei Dank muss ich nicht jeden Tag mit dem Auto durch den Ort gurken, aber wenn doch, dann stockts bei ca. 4 von 10 Mal irgendwo kurz vor, im oder hinter dem Kreisel.

Heute Morgen: Ich stehe als drittes Auto vor der Kreiselcheneinfahrt. Eigentlich will ich schnurstraks durch, die anderen vor mir offenbar auch, denn das ist so der Durchgangsweg.
Obwohl diese verkehrstüchtige Winzigkeit sage und schreibe 6 Ab-/Zufahrten hat (3 davon tun nur so, weil sich dahinter die Straßen spalten), die allesamt und gut 100 Meter vorher schon einzusehen sind, schaffen es doch immer wieder Leute, am Kreisel stehen zu bleiben, Köpfchen nach rechts und links zu drehen und - wenn sie nach reiflicher Überlegung zu dem Ergebnis kommen, dass jetzt auch rechts frei ist - endlich hineinzufahren. Natürlich nicht, ohne ordentlich zu blinken, versteht sich.
Das hat natürlich zur Folge - bei kleinen Kreiselchen - dass man den Blinker nicht schnell genug wieder ausmachen kann (also können schon, aber warum denn?) und lustig rechts blinkend seiner Wege fährt, auch wenn die Wahlabfahrt links liegt. Und weil natürlich die nächstgelegenen Einfahrer annehmen, dass der blinkende Kreiselfahrer links vor ihnen den Kreis verlässt, geben sie Gas. Und dann schepperts halt mal.

Manche bleiben auch einfach stehen und warten so lange, bis von links keiner mehr kommt. Denen doch egal, dass die anderen den Kreisverkehr beherrschen und rechtzeitig anzeigen, dass ihr Weg nicht den des Wartenden kreuzen wird, sondern dass sie vorher links in den Gegenverkehr einscheren werden.
Das sind immer Momente, in denen ich am liebsten aussteigen und diese Deppen aus dem Auto zerren, ihnen den Führerschein abnehmen und selbigen fressen möchte - in der Hoffnung, dass die aufsteigende Gallensäure sich dadurch wieder beruhigt und die Schnappatmung sich normalisiert.

Aber neben diesen durch und durch geistesverpickelten Kreiselversagern hat auch die Stadtplanung Scheiße gebaut.
Da Kreiselchen sich dort befindet, wo einst eine verampelte Kreuzung weilte, wollte man natürlich den verbleibenden Fußgängern unserer Zeit auch eine Möglichkeit belassen, weiterhin die Straße überqueren zu dürfen.
Wer letzten Endes die bescheuerte kreative Idee hatte, anstelle eines Kreisel-ferneren Zebrastreifens prä- und postnahkreiselig kleine Verkehrsinseln auf die Gass zu bauen, ist mir nicht bekannt.
Aber sie sind da.
Und das führt mit schöner Regelmäßigkeit dazu, dass der Schwerverkehr, der aus dem unzweifelhaft schon vor dem Kreiselbau anwesenden Industriegebietchen, das man u.a. über einen parallel der Durchgangsstraße liegenden Weg erreicht und auch verlässt, im Kreisel und im wahrsten Sinne des Wortes die Kurve nicht kriegt.

Nun muss man sich vorstellen, dass die Dimensionen hier im Örtchen viel fragiler und zierlicher sind als an anderen Stellen. Hier gibt's mehr als eine Kurve im Winkel zwischen 90 und 45 Grad (sagt man so zu steilen/spitzen Kurven?).
Das selbst wäre kaum schlimm, aber wenn nun zum Bleistift ein Lkw von einer der Firmen kommt, in den Kreisverkehr eintaucht und gleich die Nächste wieder abfahren muss, weil das einfach seine Richtung ist, dann kommt er nicht drumherum, sieben bis achtzundzwanzig Mal im Kreisel selbst zu rangieren, also zwischen Dönerbude und Verkehrsinsel, um irgendwann einigermaßen ausjustiert auf der falschen Seite um die VI herumzufahren.
Während man so wartet, hat man die Wahl, ob man schnell einen Döner essen will, im Schlecker einkauft, beim Metzger das nächste Catering bespricht oder an der nahe gelegenen Lahn eine Runde joggt.

Ich finde, solchen Straßenplanern sollte ein Preis verliehen werden, irgendwas in der Art der Goldenen Himbeere. Und Autofahrer, die nicht wissen, wie Kreisel geht, gehören auf die Füße.

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