Man nehme neuere Literaturagentur und reiche ein willkürlich gewähltes Manuskrit ein, lasse sich ordentlich bauchpinseln ob der Begeisterung, freue sich verhalten über einen offensichtlich seriösen Vermittlungsvertrag und warte, warte nur ein Weilchen.
Im Handumdrehen nehme man bitte zur Kenntnis, dass sich einer der renommiertesten Verlage der ganzen Welt (na ja, vielleicht nicht ganz ...) in einen verschossen habe und sich daher freue, das Manuskript als Bereicherung für das Programm herauszubringen. Man staune über den augenscheinlich ebenso seriösen Verlagsvertrag und vernehme schon aus der Ferne das Klingeln der Kasse, denn ein Vorschusshonroar sei garantiert. Vierstelligerweise.
Am Rande nehme man den Verweis als Beilage wahr, dass das notwendige Lektorat extern erledigt werden müsse - selbstverständlich von einem Anbieter des Vertrauens, mit dem man schon seit Jahrtausenden erfolgreich zusammenarbeite und der den Verlag bis in die kleinste Darmzotte kenne. Noch rändlicher bemerke man das beiliegende Angebot jener exklusiven Institution, die Bestsellerschmiede schlechthin (denn womit sonst rechtfertige man vor sich selbst einen Korrektoratspreis von annähernd 100 Euro je Seite) und ignoriere es geflissentlich. So what, die Agentur zeigt Einsatz und der Service, alles in einem Wusch gleich fix und fertig zur Unterschrift vorzulegen, muss erst mal nachgemacht werden.
Applaus, Klaus.
Immerhin ist man sich darüber im Klaren, dass Handlungsbedarf am Manuskript besteht und es gilt, die eine oder andere Passage zu
entirren, doch man möchte schon gerne die Entscheidgungsgewalt, ob überhaupt, und wenn, in welcher Höhe und an wen, behalten.
My holy money ...
Also gehe man darüber hinweg, dass zwischen den Zeilen der liebenvollen Korrespondenz mit dem freundlichen Agenten ein Hauch von Erpressung schwingt, bleibe sogar ganz unbeschwert und weise daraufhin, dass man dankenswerterweise Kenntnis von der Empfehlung genommen habe, den Vertrag ordentlich erforscht habe, keine zwingenden Klauseln entdecken konnte, und sich deshalb anderweitig orientieren werde, um das geforderte Ergebnis zu erwirken ...
... und genieße zum Schluss ein mafiosi-scharfes Gericht, gewürzt mit Intrigen und Verschleierung, serviert auf dem großen Teller der Gier. Zuschuss sei Dank, hier bekommt dieses Mahl einen ganz besonders harmlosen Klang.
Denn immerhin kennt man Google, hat sich den einen oder anderen Handelsregisterauszug angesehen und Verlinkungen bemerkt, Adressrecherche betrieben und ist nicht mehr wirklich interessiert, Teil eines so exklusiven renommierten Verlages zu sein, der von drei bis fünf Büchern lebt, die im Buchhandel irgendwie gar nicht, nicht mehr oder noch nicht, erhältlich sind. Ein bisschen mehr Bescheidenheit und Mainstream hat man sich schließlich schon gewüngscht. So gut war das Manuskript ja dann doch nicht, um unter die ersten 10 der am meist ungelesenen Bücher zu kommen...
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Also es gibt ja nicht mehr wirklich viel, was mich überraschen kann. Meist ist es nur ein Lächeln wert, bestenfalls einen kurzen Anfall von Wut und man möchte mal richtig laut "Arschloch" schreien oder jemandem in die Fresse hauen, bis die Augen zuschwellen.
Viel schlimmer noch als jeder neue Versuch solcher Furzgesichter ist die Tatsache, dass sie Autoren für die bescheuertste Rasse, seit es Bücher gibt, zu halten scheinen.
Kann mir mal jemand auf die Sprünge helfen ... mir fällt grad nicht ein, wie man das nennt: Nötigung? Vortäuschung falscher Tatsachen? Betrugsversuch?