Wut
Ich mag meine Arbeit ... ich mag meine Arbeit ... ich mag meine Arbeit ... ich könnt manchmal kotzen.
Seit einer Weile habe ich ein Manuskript im Lektorat, das mich stellenweise richtig schafft.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich einen autobiographischen Text vor mir liegen habe und ich muss leider sagen, dass gut zwei Drittel dieser My-Life-Bücher so überflüssig sind wie Bauchschmerzen.
Wenn man die 37ste Biographie mit dem Thema "Ich wurde missbraucht" liest, gibt es kaum noch was Neues und das Auge hat eine Hornhaut gebildet, die Emotionen nur noch sporadisch durchlässt.
Schon oft habe ich überlegt, ob ich wohl so herzlos geworden bin, dass es mich immer weniger berührt, oder ob es an der Formulierung derer liegt, die mir diesen Lebensmüll auf den Tisch legen.
Doch im Augenblick bin ich überzeugt, dass das wahre Grauen nicht in, sondern zwischen den Zeilen steht.
Ich würde sogar noch weiter gehen und annehmen wollen, dass ein Teil dieser Missbrauchsbücher rein aus dem Grund der Selbstprofilierung entstanden ist. Es gibt ja jede Menge Menschen, die mit harten Schicksalen Klinken putzen, um Aufsehen zu erregen. Oder lieber Schuldzuweisungen rausplärren, als den eigenen Dreck wegzukehren (hier mal bitte nicht missverstehen: damit meine ich keine Missbrauchsopfer sondern jene, die prinzipiell mit sich selbst und der Welt hadern und so).
Nicht so das, was ich jetzt unten auf meiner Taskleiste liegt. Nach drei bis fünf Seiten muss ich immer wieder kurz da raus, weil ich denke, diese Erlebnisse greifen nach mir und wollen mich in den Sumpf zerren. Ein bisschen wie bei Tanz der Teufel ...
Es ist nicht der Stil oder die Art der Formulierung, es sind die kleinen Sätze und Schreie, die man nicht lesen kann, die nicht totzukriegende Kraft eines fragilen Menschenkindes, es ist das Zittern der Finger und die tropfenden Tränen auf der Tastatur beim Schreiben, die man hört und spürt - die nassen Fingerkuppen, die man sich holt ... Es ist das lachende Gesicht mit dem unbeschwert plappernden Mund, über dem zwei große Augen liegen, die mehr gesehen haben, als ein Menschenleben sehen möchte.
Ich weiß nicht, welchen Werdegang dieses Manuskript einmal haben wird. Ich würde mich nicht mal trauen eine Prognose abzugeben, ob es einmal Chancen in einem Publikumsverlag hätte. Vielleicht eher nicht, weil es einfach nicht schreierisch genug ist, weil es "nur" ein kleines danebengegangenes Leben erzählt ... aber es ganz bestimmt eines der aufwühlendsten, die ich je gelesen habe.
Und ich habe Wut auf all diese Kastrationskandidaten, die heute noch durch die Welt laufen dürfen, ohne gebrochene Beine, ohne Sektflaschen im Arsch, ohne Knoten in den Brustwarzen und ohne nicht jeden Morgen gleich nach dem Aufwachen aus reiner Vorsichtsmaßnahme schon eins mit dem Knüppel über das kaputte Hirn zu kriegen.
Seit einer Weile habe ich ein Manuskript im Lektorat, das mich stellenweise richtig schafft.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich einen autobiographischen Text vor mir liegen habe und ich muss leider sagen, dass gut zwei Drittel dieser My-Life-Bücher so überflüssig sind wie Bauchschmerzen.
Wenn man die 37ste Biographie mit dem Thema "Ich wurde missbraucht" liest, gibt es kaum noch was Neues und das Auge hat eine Hornhaut gebildet, die Emotionen nur noch sporadisch durchlässt.
Schon oft habe ich überlegt, ob ich wohl so herzlos geworden bin, dass es mich immer weniger berührt, oder ob es an der Formulierung derer liegt, die mir diesen Lebensmüll auf den Tisch legen.
Doch im Augenblick bin ich überzeugt, dass das wahre Grauen nicht in, sondern zwischen den Zeilen steht.
Ich würde sogar noch weiter gehen und annehmen wollen, dass ein Teil dieser Missbrauchsbücher rein aus dem Grund der Selbstprofilierung entstanden ist. Es gibt ja jede Menge Menschen, die mit harten Schicksalen Klinken putzen, um Aufsehen zu erregen. Oder lieber Schuldzuweisungen rausplärren, als den eigenen Dreck wegzukehren (hier mal bitte nicht missverstehen: damit meine ich keine Missbrauchsopfer sondern jene, die prinzipiell mit sich selbst und der Welt hadern und so).
Nicht so das, was ich jetzt unten auf meiner Taskleiste liegt. Nach drei bis fünf Seiten muss ich immer wieder kurz da raus, weil ich denke, diese Erlebnisse greifen nach mir und wollen mich in den Sumpf zerren. Ein bisschen wie bei Tanz der Teufel ...
Es ist nicht der Stil oder die Art der Formulierung, es sind die kleinen Sätze und Schreie, die man nicht lesen kann, die nicht totzukriegende Kraft eines fragilen Menschenkindes, es ist das Zittern der Finger und die tropfenden Tränen auf der Tastatur beim Schreiben, die man hört und spürt - die nassen Fingerkuppen, die man sich holt ... Es ist das lachende Gesicht mit dem unbeschwert plappernden Mund, über dem zwei große Augen liegen, die mehr gesehen haben, als ein Menschenleben sehen möchte.
Ich weiß nicht, welchen Werdegang dieses Manuskript einmal haben wird. Ich würde mich nicht mal trauen eine Prognose abzugeben, ob es einmal Chancen in einem Publikumsverlag hätte. Vielleicht eher nicht, weil es einfach nicht schreierisch genug ist, weil es "nur" ein kleines danebengegangenes Leben erzählt ... aber es ganz bestimmt eines der aufwühlendsten, die ich je gelesen habe.
Und ich habe Wut auf all diese Kastrationskandidaten, die heute noch durch die Welt laufen dürfen, ohne gebrochene Beine, ohne Sektflaschen im Arsch, ohne Knoten in den Brustwarzen und ohne nicht jeden Morgen gleich nach dem Aufwachen aus reiner Vorsichtsmaßnahme schon eins mit dem Knüppel über das kaputte Hirn zu kriegen.
SabineD - Okt 30, 17:47
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