14. 11. 07

Offener Brief an die Mächtigen meines Wohnorts

Am 2. Januar 2006 stürzte in Bad Reichenhall das Dach der Eislaufhalle ein und forderte 15 Menschenleben sowie viele Verletzte.
Diese Tragödie wurde von den Verantwortlichen der Stadt Biedenkopf, der wir dö(r)fliche Nachbarn seit der Gebietsreform in den 70ern unterworfen sind, zum Anlass genommen, um unser ortsansässiges Hallenbad „bis auf weiteres“ noch im gleichen Monat zu schließen. Immerhin könnte der alten Dame, die um die vierzig Jahre ist, auch der Hut vom Kopf fallen. Immerhin …

Fast zwei Jahre sind vergangen, aber wir stehen immer noch bei "bis auf weiteres".

Die Diskussion, die anschließend und umgehend entbrannte, drehte sich meinem Wissen nach schlichtweg um den Sanierungsaufwand, der hier zu tragen wäre, damit das Hallenbad seinen Betrieb kurzfristig wieder aufnehmen und damit seinen Zweck erfüllen kann – als Heimat diverser Vereine und als Wettkampf- wie Schulschwimmbad hat es immerhin ein Niveau, das über das eines Baggersees hinausgeht. Generationen haben hier Schwimmen, Springen, Tauchen und Leben retten gelernt – meine Wenigkeit mit eingerechnet. Und mehr als ein Tisch voll Wichtigtuer hat darin die Freizeit auf sinnvolle Art genossen oder sich aus gesundheitlichen/sportlichen Gründen bewegt und aufgehalten. Ganz zu schweigen von dem taktisch cleveren Schachzug, dass zu dem durchaus anmutigen Hallenbad ein nicht gerade klein zu nennendes Freibadgelände gehört, das schon seit längerem durch Eigenregie des Fördervereins instand gehalten und liebevoll gewartet wird, da es sonst schon vor Jahren die Pforten hätte schließen müssen.
Wir sprechen hier also von einem Freizeitkomplex, der übers gesamte Jahr und für fast jeden Bedarf genutzt werden könnte – wenn man wollte …

Meiner Erinnerung nach wurde der erste Schlagabtausch darum geführt, wie groß der Schaden am Gebäude wirklich ist, wie teuer eine Sanierung sein darf und ob man nun Geld dafür hätte oder nicht. Irgendwann kam dann ein völlig neuer Aspekt in Spiel: Ein Neubau. Und zwar nicht am alten Standort, sondern in der Kernstadt, direkt neben der Freibad-Oase. Das würde doch recht gut passen.

Meine Herren, ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte ob dieser Denkweise. Möge man noch eine Weile geglaubt haben, den Dödeln aus dem Nachbarort Halbwahrheiten und Schönrederei ums magere Geldbörselchen verkaufen zu können, doch spätestens seit dieser Aussage fällt es einem wie Schuppen vom Kopf.
Möchte man denn am Ende gar keinen Gedanken an eine sinnvolle Sanierung verschwenden, weil diese ja die herzzerreißenden Pläne von einer modernen Unter-Dach-Wellness-Schwimmoase neben der Ohne-Dach-Freibadsache stören würden? Möchte man lieber als Mutterstadt Glanz und Glamour innerhalb der eigenen Stadtgrenze hegen und pflegen und nimmt dafür lässig in Kauf, außerorts der Buhmann zu sein? Möchte man vielleicht ein Machtspielchen spielen und spielt dies mit gezinkten Karten, weil es der eigenen politischen Gesinnung gefallen könnte? Oder möchte man endlich mal den Arsch hochbekommen und die für dumm verkauften Bürger, die ein Anrecht auf schnelle Entscheidungen und ehrliche Antworten haben, aufzuklären, warum für die 2Komma-schlagmichtot Millionen starke Sanierung eines bestehenden und soliden Gebäudes kein Geld da ist, während man aber offenbar schon die Scheinchen stapelt, mit denen der neue 6 bis 8 Millionen starke Neubau zu verwirklichen ist?

Möchte man uns hier eigentlich verarschen?
Ich werde dieses Gefühl nicht los. Dass es mit der „Freundschaft“ zwischen der Kernstadt und dem auch nicht so unbedeutsamen und kleinen Nachbarn Wallau mit seiner vielfältigen Vereinswelt nicht weit her ist, ist uns bekannt. Solche Machtspielchen jedoch können kaum Grund sein, um daran etwas positiv zu verändern.

Im Übrigen verstehe ich als eher unpolitische Menschin die damalige Gebietsreform nicht derart, dass die Fahnen schwingende Kernstadt nach und nach ihre unterlegenen Ortschaften entkernt und alles an sich reißt, um sich selbst im hübschen Spitzenkleid zu profilieren, sondern sich vielmehr in der Verantwortung befindet, das Gesamtbild dessen, was eine Gemeinde ausmacht, zu pflegen und zu erhalten – und dies zugunsten der jeweils betroffenen Ortsbewohner.
Wie lächerlich z.B. die Standortsbestimmung dargestellt und als Grund gegen eine Sanierung offeriert wird, muss ich nicht betonen. Ha ha.
Sollte das eine Berücksichtigung wert sein, möge man sich der hochwassergefährdeten Lahnnähe besinnen, die hier offenbar als bessere Lösung für einen Neubau dienen soll, und gleichzeitig die Zufahrt zur Sackpfeife im Winter doch bitteschön schließen - immerhin ist der Weg, denn man dorthin nehmen muss, um einige Loipen Ski zu fahren, auch nicht ohne.

Bliebe am Ende zu hoffen, dass der Herr schnellstens Hirn vom Himmel schicken und an die Richtigen verteilen möge – oder sich ein gut betuchter Mensch finde, der Spaß daran hätte, ein Hallenbad zu besitzen und den Entscheidungsklauen der Eitlen entreißen zu wollen, die es lieber heute wie morgen abgerissen sehen würden.

Unfreundliche Grüße hinterlässt Ihnen

FrauD – zugezogen und über den Tisch gezogen

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