... oder: „...liege ich krank mit Grippe I'm Bett …“ - so kann man das auch schreiben.
Ich mache mich ja gerne über
diverse Dinge lustig. Selbst wenn es klingt wie garstige Klugscheißerei, ist es meist nicht böse gemeint, vielleicht ein bisschen ironisch. Wenn man selbst viel schreibt und mit Texten zu tun hat, weiß man um die Unzulänglichkeiten, die einen packen können. Flüchtigkeitsfehler passieren, und es ist bei der Schwere und Kompliziertheit der deutschen Sprache kein wirkliches Drama, wenn der eine oder andere Patzer passiert, selbst dann nicht, wenn derjenige, der patzt, es eigentlich besser können sollte.
Passiert mir auch - und dafür habe ich schon Schelte bekommen nach dem Motto „Ihnen als Lektorin sollte das aber …“ - klar sollte nicht, passiert auch nicht oder nur sehr selten, wenn ich Geld dafür bekomme. In mehr oder weniger privaten Texten aber wie im Blog, wo ich keine Veranlassung sehe, jeden Beitrag auf Herz und Nieren zu überprüfen, weil ich ihn nebenbei schreibe und rein schmeiße, will ich keine drei Korrekturläufe machen. Das heißt längst nicht, dass ich bewusst schlampig schreibe. Ich gebe mir schon Mühe, je nach dem, wie viel Zeit und Konzentration ich investieren kann.
Diesen kleinen Auszug oben aus einer wenigzeiligen Mail, die man an mich weiterleitete, habe ich drei Mal lesen müssen. Fahrig wischte ich immer wieder auf meinem Monitor rum - kann ja nicht sein -, ich dachte wirklich, da würde ein Fussel hängen. Aber es war keiner ...
An sich nicht ungewöhnlich, der/(die)/das Idiotenapostroph ist weit verbreitet und ich kann meist gönnerhaft darüber schmunzeln, aber mit dem Wissen, WER so schreibt, komme ich nicht zurecht. Es stammt aus den Regionen einer Verlagsleitung mit Background/Referenzen Cheflektorat diverser namentlich bekannter Verlage. Der darüberstehende Verlag ist so bekannt, dass ich mich nicht traue, hier auch nur eine Andeutung zu machen.
(Oder soll es vielleicht heißen ...
I am Bett ...?)
Ich bin sehr verstört. Was ist eigentlich in den Verlagen/Agenturen los, was für Leute beschäftigen die da? Wie kann es sein, dass man gerade von den Quellen, an denen man sich als Autor regelrecht verbiegt und buckelt und zum Deppen machen muss, wenn man nur den Hauch einer Chance von „Eindruck“ hinterlassen will, solche Feedbacks bekommt?
Madame Oz-Tusse schrieb vor einigen Tagen auch was drüber, und sie muss keine Angst haben.
Ich finde, darauf kann man jetzt mal kräftig rumtrampeln, denn irgendwie fühlt man sich ein bisschen verarscht. Man macht sich zum Heiopei, damit alles möglichst perfekt ist, wahrt die Form auf allen Ebenen, heuert vielleicht vorher noch Leute wie FrauD an und bezahlt die teuer, damit das Baby wenigstens annähernd solide und fehlerfrei auf dem Tisch eines solchen „Entscheiders“ landet, und dann bekommt man Antworten, die aussehen, als wären die Hühner drübergelaufen und hätten die Buchstaben durcheinandergescharrt – wird schon ungefähr passen …
In dem Zusammenhang fällt mir eine ziemlich kecke Antwort ein, die ich vor einigen Jahren von einem Verlagslektor bekommen und jetzt mal ausgegraben habe – ein Feedback auf eine Manuskriptbewerbung, die mMn grundsätzlich
in'de'Reih' war (das war Hessisch).
Hier hatte sich leider im Exposé ein Wortdoppler versteckt, was meist dann vorkommt, wenn man ständig an Sätzen rumändert, irgendwas löscht, neu schreibt … es ist halt vergessen worden, ich habe es einfach übersehen, und so stand dann irgendwo in der Mitte: „Lena flieht in die Villa und versteckt sich sich im Kellergeschoss …“
Nach der Absage habe ich die Leseprobe mehrmals überprüft, weil ich total verunsichert war – alles andere war aber korrekt, es gab nicht mal mehr ein doppeltes Leerzeichen.
Die Koryphäe, die mir also drei Tage später kurz und bündig per Mail absagte, konnte es sich nicht verkneifen zu schreiben: "Und befor sie das nächste Manuskript einreichen sollten Sie sich die Zeit nehmen und es af Fehler prüfen. Da vergeht einem ja am Frühen morgen schon die laune ..."
Ich schwöre, dass diese Antwort aus der Mail kopiert ist und die Fehler darin Originale sind.
Kein Wort zur Idee selbst, oder ob es ein bisschen gefallen hat oder gar nicht, nicht mal der Standardsatz "... leider Programm schon verplant ... hat nichts mit der Qualität Ihres Manuskripts selbst zu tun ..." Nix, null, nada …
Ich muss gestehen, da keimt eine ziemlich bösartige Arroganz in einem auf. Haben wir das nötig, wir „unaufgefordert einsendende Autoren“? Nicht mal das war es, den voraus ging ein Telefonat, in dem ich das Projekt kurz vorgestellt habe und das ich „gerne“ einsenden durfte, und zwar direkt zu Händen von Herr LeckmichamArsch, denn es würde hochinteressant klingen …
Mir ist bekannt, wie viel Mist über die Schreibtische mancher Verlage wandert. Und ich habe allergrößtes Verständnis für die Kollegen, die genervt davon sind und gleichzeitig dazu verdonnert, von allem wenigstens die ersten Sätze lesen zu müssen, um vielleicht heute die eine Perle zu finden, nach der gesucht wird. Ebenso gut kann ich verstehen, dass man einen schlechten Tag hat, steife Finger oder frustriert drüber ist, wenn Sex nur noch als Wort im eigenen Leben existiert und nicht mehr als Tat, aber ich glaube schon, dass jemand, der sich solche Kritiken leisten will, erst mal seine eigene Unfehlbarkeit zeigen soll.
Das Wissen darum, dass es von solchen Figuren abhängt, ob die eigene Karriere eine Zukunft haben kann, macht mürbe und demotiviert gewaltig.
Ich glaube, das war die Zeit, in der ich aufgehört habe, Proben meiner eigenen Manuskripte zu verschicken. Seit dieser Antwort beschränke ich mich darauf, nur noch für andere zu klappern. Das klappt wenigstens und ich kann als Puffer fungieren, wenn ich mal wieder an einen solchen Schwachkopf gerate.
Sollte es eines Tages ein Buch von FrauD geben, das in einem einigermaßen bekannten Verlag herauskommt, wurde ich entweder entdeckt und beauftragt, das Ding zu schreiben, hatte bestes Vitamin B oder bin Lottomillionärin geworden und habe den Verlag einfach gekauft. Oder jemanden bestochen, wer weiß.
So, und morgen kommt wer von der Zeitung zu FrauD und will den Lektoren-Alltag porträtieren, und was mache ich? Am besten schäme ich mich in einer meiner vielen Ecken für manche Kollegen …
"Schick disch Deutschunderischt, Alda, machma Schreibzeug!"