K(l)eine Geheimnisse
Ich liebe Telefon, keine Frage. An manchen Tagen telefoniere ich so viel, dass sich mein linkes Ohr abends anfühlt, als hätte ich mir eine Autotür dagegen geschlagen. Mittlerweile wissen auch die meisten Menschen in meinem engeren Umfeld - inklusive der Freundescliquen meiner Brut - dass hier, in diesem Haus, zumindest Montag- bis Freitagabend ab 20:15 Uhr keine Sprechstunde mehr ist. Wohlgemerkt: wissen. Interessieren tut es die wenigstens, die liebe Verwandtschaft und so manche Kunden, die oft nicht mal welche sind, eingeschlossen.
Während ich peinlich darauf achte, die Serienliebhaber und Nachrichten- oder Sportschaujunkies möglichst nie zu Zeiten anzuklingen, in denen sie ihren Leidenschaften nachgehen, schert sich kein Schwein darum, dass auch FrauD ihre Zeiten hat, zu denen sie im Gammellook, irgendwas Leckeres naschend und in Couch-Potato-Stellung vor dem TV hockt, um sich ihre Lieblinge anzuschauen. Horatio Caine, Mac Taylor, Gregory House, Robert Goren, Shark oder Crossing Jordan sind nun mal wichtige Personen, mit denen ich mich abends gerne beschäftige.
Mindestens genauso gerne, wie die Fans der Lindenstraße, die über den Dauerbrenner alt, runzelig und grau werden oder geworden sind.
Unser Großer nennt ein Handy sein eigen, aber wen holen die heranwachsenden Banausen abends vom Sofa? Und unsere Kurze hat noch nie erzählt, dass sie morgens in der Schule alleine am Unterricht teilgenommen hat; dennoch ist "after Eight" die bevorzugte Zeit einiger ihrer Klassenkameraden, um sich von ihr lautstark telefonisch die Hausaufgaben für den kommenden Tag erklären zu lassen. Und wenn MamaD um halb neun völlig verstört verkündet, dass ... ach du liebe Zeit, der Doktor X ist ja völlig plötzlich gestorben ... atme ich erleichtert auf, denn Dr. House lebt ja noch.
Ich meine, ob ich nun abends oder am nächsten Morgen, wenn ich eh auf alles gefasst bin, davon erfahre, ist dem Verstorbenen sicher wurscht. Freunde, die man so lange nicht gesehen hat, dass man, melden sie sich am Telefon, erst mal überlegen muss, woher man den Namen noch mal kennt, suchen sich auch am liebsten Zeiten aus, in denen ich wünschte, ich hätte sie nie kennengelernt. "Ich wollte dich schon seit Ewigkeiten mal anrufen, heute Abend habe ich endlich dran gedacht." Na klar, es wird dunkel und der Krimi-Einspieler lässt das Adrenalin steigen, die ersten Toten flimmern in Nahaufnahme über den Schirm, da kann einem zweifelsfrei FrauD in den Sinn kommen. Verstehe ich absolut. Ich arbeite ja auch erst seit ungefähr 8 Jahren zuhause und bin deshalb tagsüber unerreichbar.
Das denken auch erstaunlich viele Leute, die mit der Idee spielen, mich vielleicht beruflich für irgendwelche Sachen anzuheuern. Dass abends gegen 21:00 Uhr noch eine gut gelaunte Lektorin und Texterin ans Telefon springt, auch ganz selbstverständlich noch am Computer hockt und in Echtzeit mal eben ein paar Seiten aufrufen kann, um konzentriert irgendwelche Eindrücke kundzugeben, Preise aus dem Ärmel zu schüttern oder mal eben einen aussagekräftigen Slogan ins Telefon haucht, ist doch logisch. Wenn nicht nach neun abends, wann denn dann?
Meiner Gestörten-Stimmung nachzugeben würde bedeuten, Beziehungen zerbrechen zu lassen, Streitereien zu provozieren, potenzielle Auftraggeber zu verlieren und mich dem Vorwurf, Fernsehen sei mir wichtiger als meine Mitmenschen, auszusetzen.
Das ist auch so um diese Zeiten, jedenfalls dann, wenn es nicht um Leben und Tod geht oder ausgemacht war, dass wir eben dann und dann telefonieren, und ich fühle mich gar nicht schlecht dabei, denn die allermeisten total wichtigen Botschaften, das Geschwafel von Gelangweilten, die saublöden AB-Maßnahmen, die in 99% aller Fälle sowieso zu nichts führen – und vor allem die mehr als überflüssige Frage „Stör’ ich?“ – wären sich meiner Aufmerksamkeit bedeutend sicherer und würden ehrlichere Antworten und Kommentare erhalten, würden sie vor 20:15 Uhr mein Ohr erreichen.
Und am allermeisten hasse ich die Anrufe über R-Call-Nummern von den Kollegen meiner Kids, deren Prepaid-Karten chronisch leer sind und die mich trotz der eindeutigen und mehrfachen Erfahrung, dass ich diese Telefonate ganz bestimmt weder annehmen und damit auch nicht bezahlen werde – schon deshalb, weil sie mich von der Couch reißen – es immer und immer wieder versuchen. Bevorzugt nach 20:15 Uhr.
Es ist mir scheißegal, für mein Serienfieber mitleidige Blicke oder Kommentare zu ernten. Mir gefällt das, ich will dabei nicht gestört werden und ich stehe von morgens bis abends zur Verfügung, für jeden und alles, und finde, dass ich mir die ein, zwei Stunden verdient habe.
So!
Während ich peinlich darauf achte, die Serienliebhaber und Nachrichten- oder Sportschaujunkies möglichst nie zu Zeiten anzuklingen, in denen sie ihren Leidenschaften nachgehen, schert sich kein Schwein darum, dass auch FrauD ihre Zeiten hat, zu denen sie im Gammellook, irgendwas Leckeres naschend und in Couch-Potato-Stellung vor dem TV hockt, um sich ihre Lieblinge anzuschauen. Horatio Caine, Mac Taylor, Gregory House, Robert Goren, Shark oder Crossing Jordan sind nun mal wichtige Personen, mit denen ich mich abends gerne beschäftige.
Mindestens genauso gerne, wie die Fans der Lindenstraße, die über den Dauerbrenner alt, runzelig und grau werden oder geworden sind.
Unser Großer nennt ein Handy sein eigen, aber wen holen die heranwachsenden Banausen abends vom Sofa? Und unsere Kurze hat noch nie erzählt, dass sie morgens in der Schule alleine am Unterricht teilgenommen hat; dennoch ist "after Eight" die bevorzugte Zeit einiger ihrer Klassenkameraden, um sich von ihr lautstark telefonisch die Hausaufgaben für den kommenden Tag erklären zu lassen. Und wenn MamaD um halb neun völlig verstört verkündet, dass ... ach du liebe Zeit, der Doktor X ist ja völlig plötzlich gestorben ... atme ich erleichtert auf, denn Dr. House lebt ja noch.
Ich meine, ob ich nun abends oder am nächsten Morgen, wenn ich eh auf alles gefasst bin, davon erfahre, ist dem Verstorbenen sicher wurscht. Freunde, die man so lange nicht gesehen hat, dass man, melden sie sich am Telefon, erst mal überlegen muss, woher man den Namen noch mal kennt, suchen sich auch am liebsten Zeiten aus, in denen ich wünschte, ich hätte sie nie kennengelernt. "Ich wollte dich schon seit Ewigkeiten mal anrufen, heute Abend habe ich endlich dran gedacht." Na klar, es wird dunkel und der Krimi-Einspieler lässt das Adrenalin steigen, die ersten Toten flimmern in Nahaufnahme über den Schirm, da kann einem zweifelsfrei FrauD in den Sinn kommen. Verstehe ich absolut. Ich arbeite ja auch erst seit ungefähr 8 Jahren zuhause und bin deshalb tagsüber unerreichbar.
Das denken auch erstaunlich viele Leute, die mit der Idee spielen, mich vielleicht beruflich für irgendwelche Sachen anzuheuern. Dass abends gegen 21:00 Uhr noch eine gut gelaunte Lektorin und Texterin ans Telefon springt, auch ganz selbstverständlich noch am Computer hockt und in Echtzeit mal eben ein paar Seiten aufrufen kann, um konzentriert irgendwelche Eindrücke kundzugeben, Preise aus dem Ärmel zu schüttern oder mal eben einen aussagekräftigen Slogan ins Telefon haucht, ist doch logisch. Wenn nicht nach neun abends, wann denn dann?
Meiner Gestörten-Stimmung nachzugeben würde bedeuten, Beziehungen zerbrechen zu lassen, Streitereien zu provozieren, potenzielle Auftraggeber zu verlieren und mich dem Vorwurf, Fernsehen sei mir wichtiger als meine Mitmenschen, auszusetzen.
Das ist auch so um diese Zeiten, jedenfalls dann, wenn es nicht um Leben und Tod geht oder ausgemacht war, dass wir eben dann und dann telefonieren, und ich fühle mich gar nicht schlecht dabei, denn die allermeisten total wichtigen Botschaften, das Geschwafel von Gelangweilten, die saublöden AB-Maßnahmen, die in 99% aller Fälle sowieso zu nichts führen – und vor allem die mehr als überflüssige Frage „Stör’ ich?“ – wären sich meiner Aufmerksamkeit bedeutend sicherer und würden ehrlichere Antworten und Kommentare erhalten, würden sie vor 20:15 Uhr mein Ohr erreichen.
Und am allermeisten hasse ich die Anrufe über R-Call-Nummern von den Kollegen meiner Kids, deren Prepaid-Karten chronisch leer sind und die mich trotz der eindeutigen und mehrfachen Erfahrung, dass ich diese Telefonate ganz bestimmt weder annehmen und damit auch nicht bezahlen werde – schon deshalb, weil sie mich von der Couch reißen – es immer und immer wieder versuchen. Bevorzugt nach 20:15 Uhr.
Es ist mir scheißegal, für mein Serienfieber mitleidige Blicke oder Kommentare zu ernten. Mir gefällt das, ich will dabei nicht gestört werden und ich stehe von morgens bis abends zur Verfügung, für jeden und alles, und finde, dass ich mir die ein, zwei Stunden verdient habe.
So!
SabineD - Apr 17, 07:52
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