21. 04. 08

Generation Vollidioten

Als Mutter soll man ja von seinen Kindern nur das Beste erzählen und halten. Kein Problem im HauseD, denn wir können uns für die halbwegs wohlerzogene Brut (noch) auf die Schulter klopfen, auch wenn da noch einige Ecken und Kanten sind, die geschliffen werden müssen. Gerade die Pubertät ist eine Zeit, in der man lieber mal die Ohren zuklappt und nicht alles auf die Goldwaage legen soll, wo Geduld und lange Zügel sich die Waage halten sollten und Gelassenheit vermutlich mehr bringt als permanentes Verzweifeln oder Rumbrüllen.

Erschreckend finde ich allerdings jedes Mal, wenn mir solche Möchtegernerwachsenen im Alter unseres Großen begegnen, die meinen, Stinkefinger zeigen gehöre zum allgemein verbreiteten Begrüßungsritual oder Sprüche wie "Ey Alde, was guckst so krass?" würden mir irgendwas sagen.
Der eine oder andere dieser AKs (ich nenne sie mal Arschlochkids, völlig banane, ob vom Grundwesen so geboren oder anerzogen) ist mir leider persönlich bekannt und da taucht dann, ob ich will oder nicht, das Bild des kreischenden und blubbernden Kleinkinds vor mir auf, das ich schon kannte.
Oft konnte man am Rande da auch die Entwicklung mitverfolgen. Bleibt ja nicht aus, wenn die Kurzen zusammen in den Kindergarten oder die Schule gehen und man sowohl den elterlichen Umgang sowie die damit verbundenen Sorgen mehr oder weniger deutlich mitbekommt.
Ich habe nie begreifen können, dass eine Mama noch schmerzverzerrt lächelte, wenn ihr zweibeiniger externer Gendefekt mit nicht mal fünf Jahren auf sie eintrat oder sie anspuckte, obwohl selbst nach dem 38sten "Maximilian Sebastian, willst du das bitte sein lassen?" kein "Ja" von der anderen Seite zu erwarten war. Und gesagt habe ich auch nichts, nur, wenn diese AKs, es bei mir versuchten. Dann gab es klare Worte: "Trittst oder spuckst du mich, mache ich dasselbe mit dir"*Böserblick*.
Aber gedacht habe ich damals schon: au backe. Besonders deshalb, weil viele dieser Übermütter und -väter völlig verschnupft sind, wenn man sie darauf hinweist, dass dem Balg auch die kleinste Annäherung an das fehlt, was man Anstand oder Respekt vor anderen schimpft. Um Gottes willen, doch nicht ihre Kinder, diese Goldstücke sind ja so gelungen und brav … kotz.
Das sind später die gleichen, denen man als Wink zu verstehen gibt, dass ihr AK bei einem eingebrochen sei oder was kaputt gemacht hat. „Nie im Leben, beweis das erst mal, dass das meiner war …“ Klar, Fotos, Fingerabdrücke, Geständnis … nein, verflixt, er war’s nicht. Kann’s ja nicht gewesen sein, denn daheim verkündet er heulend seine Unschuld. Verschwörung schreien sie laut. Ha.
Und es sind die gleichen, die dann – still und heimlich – diese menschlichen Versehen in Erziehungscamps stecken oder mit ihnen von einem Psychologen zum nächsten rennen, eimerweise Ritalin daheim haben und auf die Bibel schwören: „MEIN Kind lügt MICH nicht an.“
Na – wie doof kann man sein, das zu glauben? Würde ich meinen alles glauben, würden die mir auch die Säcke so voll machen. Vertrauen ist gut … nä?

Heute sehe ich mich mit perverser Genugtuung bei vielen recht behalten zu haben. Au backe hoch zwei.
Hyperantiautoritäre Erziehung, Aufpolierung von nicht vorhandenem Selbstbewusstsein und tägliche Pflege eines kranken Egoismus gepaart mit der Gleichgültigkeit überstresster oder überforderter Eltern und was weiß ich noch alles sorgen scheinbar dafür, dass mehr solche Rotznasen unsere Straßen passieren, als man vertragen kann.

Würden meine Ableger ein solches Verhalten fremden Erwachsenen gegenüber praktizieren, wie ich ihm schon mehrfach in letzter Zeit ausgesetzt war, ich würde ihnen heute noch die Hose runterziehen und ihnen den nackten Arsch versohlen, dass sie drei Tage nur auf einem Gummiring sitzen könnten. Aber hallo. Die ganze bunte Palette altmodischer Bestrafungen würde ich abarbeiten, wenn es denn sein müsste. Dass es bisher noch nicht sein musste, dürfte auch seine Gründe haben.

Nun habe ich kein Problem damit, auf das gleiche Niveau dieser AKs zu rutschen und einen Stinkefinger mit ebensolchem zu beantworten oder auch ein paar Halbhirnlose des Grundstücks zu verweisen mit dem Rat, sich erst dann wieder blicken zu lassen, wenn außer den Sackhaaren auch ein bisschen Verstand gewachsen ist.
Aber es macht mir pauschal schon Angst darüber nachzudenken, dass solche AKs heute keine Ausnahme mehr sind sondern sich langsam den Rang der Regel erpöbeln. Angst, dass es kaum möglich ist, die eigenen davon fernzuhalten, Angst, dass so was „ansteckend“, weil zu selbstverständlich sein kann und Angst, dass diese Phase, die so erschreckend lange bei manchen dauert, gar keine Phase ist, sondern eine grundsätzliche Art, die irgendwann kaum mehr zu steuern ist.

Nicht dass mich jetzt jemand falsch versteht. Ich mag Kinder (jedenfalls meine), aber was dieser Sumpf heuer entlässt … ich meine, hier gehört doch zuerst mal den Eltern so richtig eins verbraten, denn die haben’s mit Erfolg und von Anfang an mit ihrer Tüdeldü-Erziehung vergeigt.

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SusanneM - Apr 21, 17:30

Oh, Mann

ist das gut! Und soooo wahr! Du sprichst mir mal wieder echt aus der Seele - das mit den Sackhaaren werde ich mir merken - bei Gelegenheit!
Wir haben so einen Gendefekt neben uns wohnen. Ist noch kleiner. Wird aber GENAU so!
Sogar mein Sohn hat schon festgestellt, dass dem Knaben die Dummheit aus dem Gesicht schaut.

SabineD - Apr 21, 19:09

Einer muss ja mal was sagen. Schlimm ist nur, dass man sich ja kaum noch traut, weil man sonst als brutale Rabenmutter oder Kinderhasser abgestempelt wird.
Ist mir nur im Augenblick scheißegal.

PS: War dein Nachbarsbraten vielleicht die Vorlage zu Mordskind? Hi hi.
SusanneM - Apr 22, 09:56

Nein,

aber er könnte sein Zwillingsbruder sein.
Teufelsbraten gibts überall.
SabineD - Apr 22, 14:24

Oja, wir haben hier in der Straße auch so einen ... kein Fall für die Supernanni, eher schon fürs Erziehungscamp.
Korinthe - Apr 22, 10:30

Lachen oder weinen... Das ist ein weltumfassendes Problem, dem ich nichts mehr entgegensetzen kann. Und diese AKs haben vermutlich noch die unangenehme Eigenschaft, entweder gossenmäßig die Welt vollzukotzen, oder sie werden von Mami und Papi protegiert und werden irgend so ein ganz Wichtiger mit Elternkohle und Elternverbindung in die obere Etage. Ich kenne mehrere Fälle aus beiden Lagern.

Ich bin ein 56er Jahrgang und lebe in einer Welt, von der ich vor dreißig Jahren dachte, ich würde sie verstehen. Heute bin ich eigentlich froh, wenn ich davon nicht mehr so viel mitbekomme. ;-)

Liebe Grüße,
Korinthe


SabineD - Apr 22, 14:30

Na die 9 Jährchen zwischen uns sind nicht so bewegend. Ich kenne das auch noch völlig anders. Nicht um zu sagen: damals war alles besser ... da gab es auch vieles, was nicht so toll war oder wir gern anders gehabt hätten. Aber in der Gegenwart möchte ich manchmal einfach nur noch in die Masse reinkotzen. Fragt sich, wie eine Generation mit dieser Tendenz sich in der Zukunft machen wird. Manchmal denke ich, die werden die Basis zu den SF-Visionen legen wie z.B. Die Insel
Mixpuckel (anonym) - Apr 23, 11:52

da war mal ein elternführerschein im gespräch. der wäre in vielen fällen mehr als angebracht. ich bin froh keine kinder in diese welt gesetzt zu haben.

SabineD - Apr 23, 12:39

Ein weiteres beschneidendes Dikat würde da sicher nicht helfen. Veränderung kommt doch nicht wirklich von außen, sondern vom Einzelnen.
Der Schlauschiß (anonym) - Apr 23, 22:34

Das Einzige, was man und Frau zukünftig noch ohne irgendwelche Führerscheine machen dürfen ist KAUFEN!
SabineD - Apr 28, 11:07

Aha. Lassen wir uns überraschen.
goldfederchen - Apr 29, 12:51

Ohja, wie wahr, wie wahr. Gerade lese ich "Generation Doof". Passt irgendwie dazu. Und es geht mir wie Dir, ich bin auch froh über den halbwegs gelungenen Nachwuchs und frage mich, wo das mal alles enden wird. Und ob ich meine Kinder nicht vielleicht hätte doch ein wenig anders erziehen müssen, damit sie nicht untergehen in dieser Welt? Aber nein, ich bin, wie ich bin - und ich kann nicht gegen meine Überzeugung erziehen. Dann wären es vermutlich auch so kleine Großkotze geworden. Überleben ist schwierig heutzutage.

SabineD - Apr 29, 17:33

Aber nicht unmöglich ;)
Ich glaube mal, dass Wahrnehmung und Beschäftigung neben Liebe und Nestwärme wichtige Komponenten sind, um einem Kind jedenfalls die besten Voraussetzungen mitzugeben, sich auch später behaupten zu können. Oberflächlichkeit ist nicht angeboren, sondern hat sich entwickelt. Wer wenig Beachtung bekommen hat, kann schlecht welche verschenken. In der anderen Richtung muss das wohl ähnlich funktionieren: die, die zu viel unwichtige Beachtung bekommen, halten sich für den Nabel der Welt. Beides ist gar nicht gut. Und Waage halten schwer.
Wir wissen alle nicht, was wir noch erleben mit unserer Brut. Hoffentlich nur das Beste. Alles andere hieße: Scheiße gebaut. Und gegen die eigene Überzeugung mit dem Rudel zu pissen ... damit wären wir wieder bei der Generation Doof oder Vollidioten (ist es gut? ich kenn's noch nicht, werde es mir aber demnächst mal besorgen)

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