14. 06. 08

Frauen-Hosen

Vor einer Weile musste ich mich recherchetechnisch mit dem folgenden Thema beschäftigen: Frauen und Hosen. Heute geht mir das durch den Kopf, weil mir auffällt, wie irrwitzig viele Frauen diesen Emanzipationsschritt entweder falsch verstanden haben, ihn schamlos missbrauchen oder unter rapidem Selbstwahrnehmungsverfall leiden.
Ganz nach der Frage, wer war zuerst da: das Ei oder das Huhn?, frage ich mich gerade, was war zuerst da: die hässliche Hose oder die Frau, der sie nicht stehtt?
Ich rede von diesen mutierten 3/4 oder 7/8 Hosen. Von knappesten Shorts und Röhrenjeans in Gr. 52-54, von Bermuda, Capria, Cargo, Leggin, Panty. Und von Frauen, die besser daran täten und wirken würden, würden sie auf das Modediktat verzichten und nicht bei Temperaturen über 25 Grad plötzlich dem Germanys-Next-Top-Modell-Wahn verfallen und glauben, je knapper und kürzer, umso besser sehen sie aus.
Schauen wir in unseren Schrank (ich auch in meinen), und da sind sie. Gab's irgendwelche Bedenken beim Kauf? An was denkt die Konsumentin, wenn sie nach diesen abgeschnittenen Dingern greift? An Sommer, richtig. Weil's da warm ist und weil die Haut nach Luft schreit. Völlig schnuppe, ob es sich um eine kalkweise, besenreiterüberzogene, verdellte, verknubbelte Haut handelt, ob die Waage die Augen verdreht, sobald frau sich nähert und auch schnuppe, dass es durchaus kaschierende Klamotten gibt, die man selbst im tropischsten Hochsommer tragen könnte, ohne sich zum Affen zu machen.
Aber nein, es gibt alles für jede, in jeder Farbe und Größe für jede, die sich traut. Und das sind, soweit ich das dieses Jahr sehen kann, weit mehr als die, die es wirklich tragen können, weil es ihnen steht, sie hübsch aussehen lässt. Weil sie einfach beneidenswerte Gene haben oder irgendwas zwischen 12 und 19 sind.
Ganz reizend sind auch die vielen erfrischenden Farben solcher Leicht-und-Lockerhosen: steingrau, schlammbraun, grellbeige, spinatgrün, verblichengelb, babyrosa oder arschlochschwarz.
Über deutsche Männer in kurzen Hosen, bunten Hemden und mit weißen Socken in braunen Sandalen wurde ja schon genug gelästert. Schöner sieht das deshalb heute auch nicht aus. Aber tut das wirklich Not, dass ein 135-Kilo-Bratzen in oberschenkelkurzen, weißen, durchsichtigen Shorts mit 27 Seitentaschen an jedem Hosenbein (Platz haben die ja) straflos durch die Öffentlichkeit gehen und ihre Orangenhaut samt Krampfadern zur Schau stellen darf? Oder ein 190-Zentimeter großer Hungerhaken in Röhrenjeans Gr. 136 extra-extra-lang bis zum Knie, das vom anderen so weit entfernt ist, um einen Medizinball durchschießen zu können?
Ich frage mich, ob wir nicht mit der Akzeptanz, Hosen tragen zu können und zu dürfen, unsere Weiblichkeit samt guten Geschmack entsorgt haben. Hauptsache Hose und im Sommer dann eben so, dass möglichst viele möglichst viel von einem sehen. Ob viele das schön finden, mal nicht ausdiskutiert, die könnten ja weggucken (als ob das so einfach ginge bei den verwirrten Massen).
7/8 Hosen finde ich übrigens den Super-GAU. Früher sagte man dazu "Hochwasser" und wurde ausgelacht dafür.

Und was trägt FrauD so, wenn sie schon den Hals aufreißt?
Jedenfalls kein babyrosa, versprochen.

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Kratzbürste - Jun 17, 09:23

Ich bin ja der Meinung, daß manche Klamotten ab gewissen Größen gar nicht mehr hergestellt werden dürften. Ist vielleicht fies, bewahrt die evtl-Trägerin aber vor einem peinlichen Auftreten.

SabineD - Jun 17, 09:37

Ich wollt's nicht so direkt sagen ;)

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