15. 01. 09

Deppen_Leerzeichen und Idiotenapo'stroph

Mit Scharmützeln der deutschen Sprache habe ich ja öfter mal zu tun. Immer gut für ein Lächeln zwischendurch, wenn es ausufert, auch zum Augenverdrehen geeignet (oder Augen verdrehen oder Augen-verdrehen?)
Deppen(-)Leerzeichen nennt man gemein_hin auseinandergerissene Wörter, die aus mehreren Einzelteilen bestehen, in ihrer Gesamtheit aber eine neue/andere Bedeutung haben (und deshalb entweder besser zusammenbleiben oder anstelle des Leerzeichens einen Bindestrich haben sollten, damit der durchschnittlich intelligente Leser weiß: Aha! Und bei denen aus unerfindlichen Gründen das Alleinstellungsmerkmal (oder Allenstellung's Merkmal) wörtlich umgesetzt wurde.
Jeder Wort Teil steht also alleine.
Jemand, der Mädchen Jungen Kleidung verkauft, sollte vom BND unter die Lupe genommen werden. Denn entweder treibt er Geschäfte mit Minderjährigen oder er verkauft neben Mädchen und Jungen auch noch Kleidung.
Und mal im Ernst: Wer kommt nicht ins Jubeln, wenn er beim Metzger Rinder Hack Fleisch für 7,99 kaufen könnte. So viel, für so wenig Geld ... da schlägt man doch zu, oder?
Persönlich neige ich zum Rinderhackfleisch, und bestimmt kann man Rinder-Hackfleisch auch noch gut stehen lassen. Der Hervorhebung wegen.

Und dann passiert Folgendes: Die Menschen lernen den Binde-Strich kennen und plötzlich bieten schlaue Geschäftemacher solche ekligen Sachen wie Schnupperfuß-Massagen an. Iihhgitt!

Besonders tückisch können Kleinanzeigen aussehen. Ich kenne es so, dass man z.B. online seinen Text in verschiedene Zeilen eingeben kann - und dann in jeder Zeile eben aufpassen muss, dass sie auch einen Sinn ergibt - und die Anzeige später exakt so auch erscheint.
Passt man allerdings nicht auf oder kennt sich mit der Silbentrennung nicht so gut aus, kann es schnell mal passieren, dass man seiner abzugebenen Wohnung Altbauch-arme verpasst.

Sehr spannend finde ich auch den Kühlen Dichter. War ich doch immer davon ausgegangen, dass gerade Lyriker eine große Herzenswärme und -tiefe besäßen.

Interessant wird es, wenn der Autor sich so gar nicht entscheiden kann und deshalb einfach alle Regeln gleichzeitig anwendet, wie am Beispiel dieser armen Avocado_-_Hühner_-_Suppe zu sehen ist.
Köstlich, vom Geschmack wie vom Wortbau.

Ich erinnere mich dabei gerade an eine Klein-Anzeige, über die ich vor Monaten mal gestolpert bin, aber leider nicht verlinken kann, weil sie in der Zeitung stand und ich Suppen Huhn sie nicht ausgeschnitten habe. Da bot nämlich jemand Deutsch-Nach-Hilfe an. Gegen Bezahlung. Frech, oder?

Das sogenannte Idiotenapostroph gehört - neben den Deppenleerzeichen (klingen diese Titulierungen nicht charmant?) - wohl auch zu den am häufigsten gemachten Fehlern. Wenn man mal bedenkt, dass die meisten Deutschen kaum in der Lage sind, mehrere fehlerfreie (Fehler freie) Sätze hintereinander zu schreiben, darf man sich wundern, dass so viele Unarten aus dem Englischen übernommen werden. Wie z.B. das Genitiv-s. Wobei ich das noch harmlos finde. Peter's, Andrea's (fem) oder Andreas', Willy's und so weiter gibt es ja reichlich.
Bisschen dümmer sehen dann schon CD's, OB's, BH's und Lkw's aus. Man kann bei einigen Dingen sicher streiten, und bei manchen ist es einfach eine Frage des Geschmacks.

Nachdenklich - aber nicht wirklich verwunderlich, denkt man an Pisa's_Studien (ha ha) - machen mich allerdings so Sachen wie nicht's, Nudel'n, Ampel'n, Neujahr's Wünsche, samtag's ...
Und Weihnacht'sganz' tut eigentlich schon weh.

In den Texten, besonders in belletristischen Manuskripten, mit denen ich oft zu tun habe, stolpere ich allerdings nur selten über Weihnacht'sgänze, da begegnen mir eher solche Sachen.
"Mach', dass du weg'kommst"
"Geh' jetzt schlafen."
"Komm' endlich her."
"Bleib' wo du bist."
"Alex's schäbige's Motorrad war nicht's im Vergleich' zu meinen zwei Bike's, die ich, wie immer sonntag's, auf den Hof fuhr', um sie vo'm Staub der Woche zu befrei'n."

Neun, gell? Auf einen Streich bzw. in einem Satz. Der stammt aus einem Manuskript, das ich vor ein paar Jahren lektorieren sollte. Und ich kann versprechen, dass sich diese "Kunst zu schreiben" über alle 180 Seiten zog.
Nach diesem Auftrag habe ich meine Seitenpreise für Lektorate drastisch erhöht.

Ich kann es jetzt nicht so hübsch formulieren wie die Herren und Damen Duden, aber bei solchen komplizierten Wörtern wie "Geh'", bei denen der Problemstrich einen ausgelassenen Buchstaben ersetzen oder kennzeichnen soll, hat sich das verregelt. Das Wort "Geh" ist also ein fertiges Wort mit ohne Apostroph. Klänge ja auch blöd, wenn man sagen würde: "Gehe jetzt ins Bett" oder "Mache dass du ..." oder "Komme endlich her".

So, das woll't ich mal gesagt' haben.
Das Schreib Handwerk ist schon ganz' schön schwer.

Und natürlich hat FrauD sich inspirieren lassen, dazu sind Quellen natürlich da. Reinschauen lohnt sich imme. Vielleicht die Uhr stellen, man verliert sich schnell auf diesen netten Seiten.

Deppenleerzeichen
Idiotenapostroph 1
Idiotenapostroph 2
Zwiebelfisch

Und beim nächten Mal reden wir vielleicht über Groß- und kleinschreibung oder über Kommatitis bzw. Kommaphobie oder über Fremdworte.


PS: Wer in diesem Text Fehler findet, die nicht aussehen, als wären sie absichtlich zum Zweck der Unterhaltung prostituiert worden, darf sie behalten.

Trackback URL:
http://sabined.twoday.net/stories/5447469/modTrackback

Korinthe - 15. Jan, 21:15

Ha!

Dacht' ich's mir doch, Dass Du das mal auf greifst. Ich bin zwar kein frei Berufler im Buch - Lektorier - Gewerbe, aber auf Gefallen ist mir das auch schon. Besonders' in Internet- Foren finde ich solche Aus-Wüchse deutscher Recht-Schreibung. Manchmal sind sie so außer gewöhnlich, dass es mir die Sprache verschlägt. Wenn die Autoren dann auch noch auf Groß- und Kleinschreibung verzichten und sich gänzlich die Interpunktion versagen, ist's für mich schon ein Schwarzertag. :-( Nicht, dass ich perfekt im' Schreiben bin, aber so ein Bissele trau' ich mir dann doch zuh.

Herz-Liche Grüße und einen schön'n Abend wünscht Dir

der olle Korinthe


SabineD - 16. Jan, 08:25

Ja ja, die deutsche Sprache bietet schon allerlei Spielzeug, um sie kreativ zu verunstalten. :-) Ich weiß ja nicht, wie andere es so halten, aber neben mir steht ein treuer Duden, den ich so_gar benutze, wenn es sein muss - hö hö.
Korinthe - 16. Jan, 14:01

Wenn ich den hab und Du den, dann sind ja noch ein paar übrig... :-)
SabineD - 16. Jan, 14:13

Ich weiß nicht, wie groß war denn die Auflage. 500? *duckwech*
WolfgangGL - 16. Jan, 13:52

Ich hab immer Schwierigkeiten mit der Kommasetzung. Bei langen Sätzen ist das ganz furchtbar! Man hat schon über mich gelacht deswegen und behauptet, ich verteile die Kommas wie mit einem Salzstreuer. Was kann ich bloß tun um diesem Dilemma zu entgehen?

Korinthe - 16. Jan, 14:00

Schreib. Kurze. Sätze. ;-)
SabineD - 16. Jan, 14:12

Genau, Korinthe :-)
Aber man kann es lernen, und vielleicht wird man es doch niemals immer richtig machen (so(,) wie ich, deshalb steht Frau Duden in der Nähe).
Manchen soll es helfen, das Geschriebene zu "versprachlichen". Wenn man gut aufpasst, kann man Kommas nämlich auch hören. Das sind oft (aber nicht immer, bitteschön) die Stellen, an denen der Redefluss bricht oder Luft geholt wird.
Ich habe die (für andere witzige) Angewohnheit, beim Schreiben mitzuflüstern :-)
WolfgangGL - 16. Jan, 14:25

Dann werde ich mal versuchen die Kommas zu "hören". Mitflüstern - hm, auch ne gute Idee. Danke! :-)

SabineD - 16. Jan, 14:33

Nicht dafür.
Wenn es klappt, mal Bescheid sagen. Vielleicht geb ich dann Kurse an der VHS nach dem Motto "Das Komma im Ohr" ;)
recono - 16. Jan, 20:55

Uns hat man ja früher in der Schule noch im Deutschunterricht mit gefühlten 40 Std. pro Woche, aber vermutlich nur 1 oder 2 Unterrichtsstunden Grammatikunterricht, gequält. Gibt es heute vermutlich gar nicht mehr.
Als mein Kleiner im Prep-Jahr war, sollten sie so schreiben, wie sie es hören. Da brauchte man ein Entschlüsslungs-Diplom, um einen Absatz von ihm enträtseln zu können. Das macht sich nach drei Schuljahren oft noch bemerkbar.

Ich bin mir gegenüber und auch anderen Leuten gegenüber inzwischen gelassener geworden. Niemand ist perfekt und unsere Rechtschreibregeln so umfangreich, dass es einem die Verzweifelungstränen in die Augen treiben kann. Man stelle sich Menschen vor, die beruflich eher weniger schreiben müssen und nach 10, 20 Jahren viele Regeln vergessen haben. Die trauen sich ja kaum noch, mal einen Notizzettel für jemanden zu schreiben. Finde ich unangebracht und schade.

Wer aber Geschäftsanzeigen und Schilder verhunzt, sollte eins hinter die Löffel kriegen. Ich wundere mich immer...merken die das bei der Zeitung nicht? Wir hatten damals bei der Zeitung Korrekturleser. Aber es soll ja auch Kunden geben, die bestehen auf ihre Schreibweise.

Was also meine eigenen Fehler angeht, habe ich weder Lust, noch Zeit, mir jede Dudenregel zu Gemüte zu führen. Gerade im Blog schreibe ich oft spontan. Die Gelassenheit für veröffentlichte Fehler, habe ich erst in Aussieland gelernt. Hier gilt ja das Motto: everybody deserves a fair go - jeder hat eine faire Chance verdient.

SabineD - 17. Jan, 11:28

Nein, niemand ist perfekt, nicht einmal die Sprachgelehrten :-)
Grundsätzlich bleib ich auch geschmeidig bei solchen Sachen. Wenn ich Mails und Blogzeug schreibe, habe ich auch keinen Duden neben mir und mache genug Fehler, an denen sich jeder hochziehen kann. Schitteböm.
Bedenklich finde ich es, wenn wirklich derbe Schnitzer von Leuten kommen, die beruflich mit Sprache zu tun haben und es eigentlich besser wissen/machen sollten, weil sie nämlich für das Ergebnis bezahlt werden/wurden. Wenn ich einen Text korrigieren oder entwerfen soll, muss ich einfach diese Lässigkeit ablegen und wenigstens ab und zu einen Blick auf die Regeln werfen, wenn ich sie nicht im Kopf habe.
Und ich muss zugeben, ich habe vieles noch immer nicht drinnen, obwohl ich täglich mit Texten ... und so.
Vor allem werde ich wohl nie lernen, auf Anhieb "Matra(t)ze" richtig zu schreiben. ;)
Es passiert eben - immer wieder.
Elisabetta1 - 16. Jan, 21:04

hallo miteinand!

ich bin so eine, die sich die kleinschreibung einfach angeeignet hat; aus reiner bequemlichkeit, jux und tollerei. hier in den weblogs oder im internet läßt doch niemand mehr fragen, ob man der rechtschreibung fähig ist oder nicht. was einem da alles unterkommt ist ja haarsträubend.
der wirkliche grund meines eintrages, ist aber, ein fehler im hiesigen blog! das wort "versehendlich" in der begrüßung, würde ich viel lieber so lesen : "versehentlich".
mit lieben grüßen

SabineD - 17. Jan, 10:49

Man hat ja bisweilen Tomaten auf den Augen :-)
Es war allerdings eine gewisse Absicht dahinter, eine Wortspielerei. Habe jetzt eben erst gesehen, dass der Bindestrich, der genau das kennzeichnen sollte, nicht da war.
Hoffe, jetzt ist der Sinn der Entstellung deutlicher :-)
SabineD - 17. Jan, 11:34

Nee, ich seh grade ... deswegen hatte ich den "-" wohl beim Einsezten ausgelassen. Dieses blöde Feld lässt sich nicht formatieren, jetzt sieht es aus wie ein Silbentrennstrich. Hm, was mache ich denn jetzt?
Ich denk drüber nach, vielleicht schreib ich alles neu.
Maik (Gast) - 3. Feb, 08:45

Pfui...

Schnupperfuß-Massagen ist sowas von eklig, mir ist jetzt schlecht. Und das am frühen Morgen... :-(

SabineD - 3. Feb, 18:21

Es soll Leute geben, die drauf stehen. Vielleicht abends noch mal versuchen? ;)

Kauf das Buch!

Sympat(h)ext

Neue Seite 1

Faire Verlage

Aktionsbündnis für faire Verlage

Verjährtes

Wer lesen kann, ist - klar - im Vorteil


Mia Bernstein
Erdbeerflecken


Sibylle Berg
Der Mann schläft


Susanne Mischke
Tod an der Leine



Stieg Larsson
Verdammnis


Peter James
Nicht tot genug


Joy Fielding
Flieh wenn du kannst



Cody McFadyen
Der Todeskünstler


Gisa Klönne
Nacht ohne Schatten


Charlotte Link
Die letzte Spur


Elisabeth Herrmann
Das Kindermädchen


Jilliane Hoffman
Vater unser


Cody McFadyen
Das Böse in uns


Sabine Kornbichler
Gefährliche Täuschung