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25. 03. 09

Mit Grippe liegt man im Bett ...

... oder: „...liege ich krank mit Grippe I'm Bett …“ - so kann man das auch schreiben.
Ich mache mich ja gerne über diverse Dinge lustig. Selbst wenn es klingt wie garstige Klugscheißerei, ist es meist nicht böse gemeint, vielleicht ein bisschen ironisch. Wenn man selbst viel schreibt und mit Texten zu tun hat, weiß man um die Unzulänglichkeiten, die einen packen können. Flüchtigkeitsfehler passieren, und es ist bei der Schwere und Kompliziertheit der deutschen Sprache kein wirkliches Drama, wenn der eine oder andere Patzer passiert, selbst dann nicht, wenn derjenige, der patzt, es eigentlich besser können sollte.
Passiert mir auch - und dafür habe ich schon Schelte bekommen nach dem Motto „Ihnen als Lektorin sollte das aber …“ - klar sollte nicht, passiert auch nicht oder nur sehr selten, wenn ich Geld dafür bekomme. In mehr oder weniger privaten Texten aber wie im Blog, wo ich keine Veranlassung sehe, jeden Beitrag auf Herz und Nieren zu überprüfen, weil ich ihn nebenbei schreibe und rein schmeiße, will ich keine drei Korrekturläufe machen. Das heißt längst nicht, dass ich bewusst schlampig schreibe. Ich gebe mir schon Mühe, je nach dem, wie viel Zeit und Konzentration ich investieren kann.
Diesen kleinen Auszug oben aus einer wenigzeiligen Mail, die man an mich weiterleitete, habe ich drei Mal lesen müssen. Fahrig wischte ich immer wieder auf meinem Monitor rum - kann ja nicht sein -, ich dachte wirklich, da würde ein Fussel hängen. Aber es war keiner ...
An sich nicht ungewöhnlich, der/(die)/das Idiotenapostroph ist weit verbreitet und ich kann meist gönnerhaft darüber schmunzeln, aber mit dem Wissen, WER so schreibt, komme ich nicht zurecht. Es stammt aus den Regionen einer Verlagsleitung mit Background/Referenzen Cheflektorat diverser namentlich bekannter Verlage. Der darüberstehende Verlag ist so bekannt, dass ich mich nicht traue, hier auch nur eine Andeutung zu machen.
(Oder soll es vielleicht heißen ... I am Bett ...?)

Ich bin sehr verstört. Was ist eigentlich in den Verlagen/Agenturen los, was für Leute beschäftigen die da? Wie kann es sein, dass man gerade von den Quellen, an denen man sich als Autor regelrecht verbiegt und buckelt und zum Deppen machen muss, wenn man nur den Hauch einer Chance von „Eindruck“ hinterlassen will, solche Feedbacks bekommt?
Madame Oz-Tusse schrieb vor einigen Tagen auch was drüber, und sie muss keine Angst haben.
Ich finde, darauf kann man jetzt mal kräftig rumtrampeln, denn irgendwie fühlt man sich ein bisschen verarscht. Man macht sich zum Heiopei, damit alles möglichst perfekt ist, wahrt die Form auf allen Ebenen, heuert vielleicht vorher noch Leute wie FrauD an und bezahlt die teuer, damit das Baby wenigstens annähernd solide und fehlerfrei auf dem Tisch eines solchen „Entscheiders“ landet, und dann bekommt man Antworten, die aussehen, als wären die Hühner drübergelaufen und hätten die Buchstaben durcheinandergescharrt – wird schon ungefähr passen …
In dem Zusammenhang fällt mir eine ziemlich kecke Antwort ein, die ich vor einigen Jahren von einem Verlagslektor bekommen und jetzt mal ausgegraben habe – ein Feedback auf eine Manuskriptbewerbung, die mMn grundsätzlich in'de'Reih' war (das war Hessisch).
Hier hatte sich leider im Exposé ein Wortdoppler versteckt, was meist dann vorkommt, wenn man ständig an Sätzen rumändert, irgendwas löscht, neu schreibt … es ist halt vergessen worden, ich habe es einfach übersehen, und so stand dann irgendwo in der Mitte: „Lena flieht in die Villa und versteckt sich sich im Kellergeschoss …“

Nach der Absage habe ich die Leseprobe mehrmals überprüft, weil ich total verunsichert war – alles andere war aber korrekt, es gab nicht mal mehr ein doppeltes Leerzeichen.
Die Koryphäe, die mir also drei Tage später kurz und bündig per Mail absagte, konnte es sich nicht verkneifen zu schreiben: "Und befor sie das nächste Manuskript einreichen sollten Sie sich die Zeit nehmen und es af Fehler prüfen. Da vergeht einem ja am Frühen morgen schon die laune ..."

Ich schwöre, dass diese Antwort aus der Mail kopiert ist und die Fehler darin Originale sind.

Kein Wort zur Idee selbst, oder ob es ein bisschen gefallen hat oder gar nicht, nicht mal der Standardsatz "... leider Programm schon verplant ... hat nichts mit der Qualität Ihres Manuskripts selbst zu tun ..." Nix, null, nada …

Ich muss gestehen, da keimt eine ziemlich bösartige Arroganz in einem auf. Haben wir das nötig, wir „unaufgefordert einsendende Autoren“? Nicht mal das war es, den voraus ging ein Telefonat, in dem ich das Projekt kurz vorgestellt habe und das ich „gerne“ einsenden durfte, und zwar direkt zu Händen von Herr LeckmichamArsch, denn es würde hochinteressant klingen …

Mir ist bekannt, wie viel Mist über die Schreibtische mancher Verlage wandert. Und ich habe allergrößtes Verständnis für die Kollegen, die genervt davon sind und gleichzeitig dazu verdonnert, von allem wenigstens die ersten Sätze lesen zu müssen, um vielleicht heute die eine Perle zu finden, nach der gesucht wird. Ebenso gut kann ich verstehen, dass man einen schlechten Tag hat, steife Finger oder frustriert drüber ist, wenn Sex nur noch als Wort im eigenen Leben existiert und nicht mehr als Tat, aber ich glaube schon, dass jemand, der sich solche Kritiken leisten will, erst mal seine eigene Unfehlbarkeit zeigen soll.
Das Wissen darum, dass es von solchen Figuren abhängt, ob die eigene Karriere eine Zukunft haben kann, macht mürbe und demotiviert gewaltig.

Ich glaube, das war die Zeit, in der ich aufgehört habe, Proben meiner eigenen Manuskripte zu verschicken. Seit dieser Antwort beschränke ich mich darauf, nur noch für andere zu klappern. Das klappt wenigstens und ich kann als Puffer fungieren, wenn ich mal wieder an einen solchen Schwachkopf gerate.
Sollte es eines Tages ein Buch von FrauD geben, das in einem einigermaßen bekannten Verlag herauskommt, wurde ich entweder entdeckt und beauftragt, das Ding zu schreiben, hatte bestes Vitamin B oder bin Lottomillionärin geworden und habe den Verlag einfach gekauft. Oder jemanden bestochen, wer weiß.

So, und morgen kommt wer von der Zeitung zu FrauD und will den Lektoren-Alltag porträtieren, und was mache ich? Am besten schäme ich mich in einer meiner vielen Ecken für manche Kollegen …
"Schick disch Deutschunderischt, Alda, machma Schreibzeug!"

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Filinchen (Gast) - 25. Mrz, 13:25

Erinnert mich stark an den doofen Witz (aus dem Keller hörte man das monotone Geräusch der Bartaufwickelmaschine), von dem Sohn, der den Besuch bei den Eltern absagt, indem er ein Telegramm mit dem Text schickt: "Kann leider nicht kommen, liege mit Angina im Bett", woraufhin der Vater zurücktelegrafiert: Schmeiß das Mädchen raus und komme sofort nach Hause.
Während ich das schreibe, merke ich, das man den Witz wohl modernisieren müßte, statt telegrafieren sollte man vielleicht das Wort simsen benutzen.

Nun, das hat war mit dem Idioten-Apostroph nur indirekt zu tun, außer der Wortgleichheit. Erinnert mich aber auch an eine Nachbarin, die sich mühsam ihres heimatlichen Dialektes entledigt hatte und nun übertrieb. Begeistert hat mich stets, daß ihre lieben Kleinen abends nicht "ins Bett" gingen, sondern in das Bett. Das hörte sich dann im O-Ton so an: "Die Kinder sind schon in das Bett gegangen".

Erinnert mich aber auch an den Verkehrssender des Hessischen Rundfunks, der uns auf der Autobahn mit ständigen Reportagen über eine Iron-Man-Veranstaltung nervte. Die Reporterin machte daraus immer den Eironn-Män. Zuhause angekommen, konnte ich es mir nicht verkneifen, eine launige Mail an den Sender zu schicken. Die Antwort begeisterte mich. Sie habe Anglistik studiert, schrieb die nette Dame, und auch immer hübsch brav, wie es sich gehört Eionn-Män ohne R gesagt, nur sei daraufhin der Sender mit empörtern Anrufen fast lahmgelegt worden. Um davon künftig verschont zu werden, habe man sich für die falsche Aussprache entschieden, "der Hesse an sich" wolle das wohl so.
Man sieht also, man kann sich immer auf dem untersten Level einigen.

SabineD - 25. Mrz, 14:35

Kann man, muss man aber nicht. Ich würde mich schämen, ehrlich, und meine Schamgrenze ist schon hoch ;)
Kratzbürste - 25. Mrz, 13:46

Eine andere Berufsgruppe, bei der ich diese Schlampigkeit oder Unwissenheit auch völlig fehl am Platz finde, ist die der Lehrer. Wenn ich die Arbeitsblätter meiner kleinen Schwester ab und an mal ansehe ... huiuiui. Und die wollen den Kindern das Lesen und schreiben beibringen ...?

Filinchen (Gast) - 25. Mrz, 13:49

Können Sie zur Erheiterung der Leserschaft ein paar Beispiele bringen?
SabineD - 25. Mrz, 14:34

DARÜBER darf ich gar nicht nachdenken. Ich kann absolut verstehen, dass die Kids heute in der Schule mit Kopien nur so zugeschmissen werden - Papier wiegt übrigens auch ziemlich viel, womit wir wieder bei den oft viel zu schweren Ranzen sind, weil Kopien ja nur einseitig bedruckt werden und man doppelt so viele Blätter braucht, als würde der Text in ein Heft geschrieben. (Gibt's eigentlich noch Hefte? Hahaha ...)
Lehrer wollen oder können offenbar nicht mehr schreiben, oder dürfen nicht, in dieser Folge gibt's nichts zum Abschreiben, in dieser Folge fehlt die Übung, in dieser Folge ist learning-by-doing abgesagt, in dieser Folge Oberflächlichkeit vorprogrammiert ... Fortsetzung folgt.
Ich habe nie begriffen, warum man Kindern diese Millionen von Scheißkopien zumutet, zumal viele eh nicht gerne oder nur mühsam lesen (oder überhaupt flüssig lesen können - woher kommt das wohl wieder?), anstatt sie immer und immer wieder praktisch mit der Sprache und dem Inhalt eines Textes zu konfrontieren. Der bleibt ja bekanntlich viel besser hängen, wenn man ihn mal selbst schreiben - und dazu auch konzentriert lesen - musste.
Ich erinnere mich noch gut daran (und sooo alt bin ich auch noch nicht), dass ich während meiner Schul- und Drangjahre permanent mit Hornhaut am Mittelfinger rumgelaufen bin, und zwar genau dort, wo der Stift aufliegt. An den Fingern meiner Kids - Fehlanzeige!
Dieses Schema, mit dem heute Bildung vermittelt wird, macht mir Juckreiz. Es juckt mich immer wieder, jemanden schütteln zu wollen. Ich weiß nur noch nicht genau, wen.
Kratzbürste - 25. Mrz, 18:58

Oh ja, Hefte gibt es noch. Anzuschaffen sind A4-Hefte ohne Lineatur. Am besten Doppelhefte. In diese werden dann die Kopien eingeklebt. Kein Witz!
Filinchen (Gast) - 25. Mrz, 14:48

Die Einigung auf dem unterste Level sollte ironisch (nicht eionisch) gemeint sein und stimmt! Die tintenverschmierte Hornhaut am Mitelfinger! Völlig vergessen. Das war sozusagen das Etikett oder der Ausweis des Schulkindes.

SabineD - 25. Mrz, 14:52

Weiß ich doch ;)

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