3. November 2010

Kreise sind rund

Bei Nicole im Blog nimmt die Diskussion über das DK-Kind neobooks kein Ende.
Ich schrieb schon mal darüber.
Je mehr ich aber darüber lese, umso tiefer hängen meine Mundwinkel.
War es denn wirklich anders zu erwarten, als dass sich auch hier - community-typisch - Cliquen bilden, um sich gegenseitig zu pushen oder in den Boden zu trampeln?

Ich war gerade nach längerer Zeit mal wieder auf der Seite und habe ins "Autorenforum" reingeschnuppert.
Sicher, es juckt einem in den Fingern, mal was loszuwerden, doch ich bin der Meinung, das sollte man wirklich nur machen, wenn man auch die Zeit hat, die Diskussionen aufmerksam zu verfolgen und am "Gespräch" auch teilzunehmen.

Mittlerweile denke ich - nein, ich reagiere allergisch, das trifft es wohl eher: Wenn ein solches Forum geschaffen wird, mit dem ein etablierter Verlag eine simple Möglichkeit kreiert, Autoren Vorstellungschancen für neue Ideen zu bieten, sollte man sich vorhersehend Gedanken über das gesamte Paket machen, an dem da gebastelt wird. Und nicht nur darüber, sondern auch über den Nutzen und die Verbiegungsoptionen, die u.U. vorhanden sind.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass all die großen und kleinen Communitys, die sich dem Schreiben widmen, in erster Linie Autorencommunitys sind und die "Nur-Leser" - und damit die wirklich objektiven Bewerter - eine Minderheit bilden.
Macht euch doch mal die Freude und fragt im eigenen Bekanntenkreis herum, wer von denjenigen, der mit dem Schreiben selbst nichts am Hut hat, aber gerne Bücher liest, in einem Autorenforum angemeldet ist.
Ich kenne niemanden, ich schwöre.

Da stellt sich mir jetzt die Frage, was will ich eigentlich, wenn ich Verlag bin? Will ich Leser (Käufer = Geld machen) gewinnen oder Autoren (von denen es eh schon genug gibt), die sich gegenseitig um die Köppe hauen?

Dort, wo Autoren sich angesprochen fühlen, werden die reinen Buchkäufer immer eine Minderheit sein, denn weil es heute so einfach ist, "Autor zu werden", kommt selbst der Letzte irgendwann durch solche Foren oder den vagen Kontakt damit auf die Idee, auch Schriftsteller werden zu wollen - kann ja jeder.

In dieser Folge ziehen solche Plattformen überwiegend die Schreibenden an wie ein gedeckter Tisch die Fliegen - und dann geht‘s rund, denn ob man will oder nicht, man steht plötzlich inmitten einer Konkurrenz, in der man sich schließlich auch behaupten will. Die einen machen das zaghaft, still und leise und ziehen frustriert von dannen, wenn sie unberücksichtigt bleiben oder zerrissen werden, die anderen beißen sich offensiv durch die Diskussionen, um im Gespräch zu bleiben, wieder andere kuscheln und heben sich gegenseitig in den Himmel: lobst du mich, lob ich dich - und noch andere kommen sowieso nur zum Stänkern.

Neobooks an sich halte ich vom Grundsatz her nicht für eine schlechte Idee des Verlags, aber ich finde, die Macher sollten sich darauf beschränken, Leseproben und Ideen von Autoren damit auf einem einfachen Weg zu sammeln - unter Angabe der Programmbereiche, die gerade aktuell, geplant, nachgefragt sind - und dann tun, was sie immer tun:
Lesen – beurteilen – entscheiden – Punkt!
Und zwar in der vollen Verantwortung, die dem Verlag als Institution obliegt.

Einerseits steht fett auf der Startseite: WIR entdecken die Bestseller von morgen - (so soll das ja auch sein), andererseits steht knapp drunter: Entdecken SIE Bestseller und neue Literatur

Wer sind denn SIE überhaupt? Das ist doch eine Milchmädchenrechnung. Ich melde mich doch auf einer solchen Seite nur dann an, wenn ich mir was davon verspreche, denn für "Nur-Leser" gibt es andere Communitys. Und der Gedanke, der einem hier zuerst in den Sinn kommt, ist: Ich will auch entdeckt werden!
Ja - ganz sicher aber nicht als der Leser/Rezensent des Jahres ... oder was?

Bedenkt man nun, dass die Verlagstische überquellen vor lauter unaufgefordert eingesandten Manuskripten, wäre Neobooks eine gute Chance, um den Papierkram zunehmend in Grenzen zu halten und das Auswertungssystem online zu stellen. DSDSAutor quasi. Der Autor schreibt und schickt, eine Jury (Verlagslektoren) entscheidet: raus oder imRecall. Maximal dürfen Außenstehende ab dem Halbfinale voten.
Eine ins virtuelle Leben gestellte Bewerberplattform, auf der man sich an Regeln und Vorgaben zu halten hat - ganz so, als würde man alles ausdrucken und eintüten.

Da online: Anonyme Einsendungen - auszugsweise - ohne Kommentarmöglichkeiten für Dritte, einen Account für die Autoren selbst, die auf diesem Wege nachvollziehen könnten, ob ihre Bewerbung schon bewertet wurde, vielleicht eine Einrichtung mit einem kurzen Statement des Verlags, warum diese Buchidee keine Chance hat und abgelehnt (oder angenommen) wurde, u.U. parallel für die Autoren auch Einblick auf die "Auserwählten", um sich mal anzuschauen, wie GUT geht und warum der Verlag ebenjenes nimmt, anderes nicht ...

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Aufbau einer solchen Seite den Betreibern mehr Arbeit macht als jetzt. Denn jetzt beginnen die ganzen verkannten Genies zu Hauf Verbesserungsvorschläge in die Welt zu husten, und die Macher sind nicht nur gefordert, darauf zu reagieren, sie müssen gleichzeitig auch an der Seitentechnik rumfeilen, die dadurch über den Beta-Versions-Status nicht hinauskommt.

Anstatt hierfür Personalkosten zu verschwenden, um am Ende vielleicht festzustellen, dass das einst für gut befundene Auswahl-/Bewertungssystem der BESTEN nicht zuverlässig arbeitet und der Verlag nun doch selbst die Spreu vom Weizen trennen und sich in die Tiefen der vielen Ideen vortasten muss, um sich auch diejenigen anzuschauen, die nicht durch Vetternwirtschaft in irgendwelchen Top-Listen stehen, könnte man es gleich richtig machen.

Ich finde, dass es mittlerweile genug Foren und sonst was gibt, wo Autoren unter sich hacken, schreiben, diskutieren, rezensieren usw. können.
Wer Umschläge mit Papier zum Verlag schickt, muss auch damit leben, nicht an der Entscheidung beteiligt zu werden oder sich dazu äußern zu dürfen. Und alle anderen müssen damit leben, auf das fertige Buch zu warten und es nach Erscheinen erst rezensieren zu können.

Ich kann nicht sehen, was daran nicht stimmt, und ich kann nicht verstehen, warum einem Verlag daran gelegen sein soll, andere Autorenmeinungen bei den Verlagsentscheidungen zu berücksichtigen, denn das Cliquengekuschel und Kriegsgezeter wird kein Ende nehmen.
So oder so wird immer Manipulation da sein - ob zum Vorteil eines Werks oder zum Nachteil.
Und ich nehme mir einfach mal die Freiheit, ernsthaft zu bezweifeln, dass die schreibenden Kommentatoren der potenziellen Bestseller von morgen auch großteilig deren Käufer sein werden.
Da ist es mir als Autor doch lieber, akzeptabler und ersichtlicher, wenn der Dialog zwischen dem Verlag und mir diskret abläuft. Denn immerhin erwarte ich von einem Verlag, dass er selbstständig darüber entscheiden kann, was sich verkaufen lässt und was nicht.
Würde ich ihm das nicht zutrauen, könnte ich gleich alles selbst veröffentlichen, womit der Kreis sich wieder schließt.

Ob es Neobooks nun interessiert, was die schmale FrauD davon hält, ist mal nicht wichtig. Ich werde mich an anderer Stelle dazu allerdings nicht äußern oder an Diskussionen darüber teilnehmen.
Aber da ich mich einst angemeldet habe und das Tohuwabohu zwangsweise auch mitbekomme, wollte ich das einfach mal loswerden. Hier darf ich das ja, bin ja daheim ;)
Im Übrigen beanspruche ich die geistigen Rechte an meinen Veränderungs-/Verbesserungsideen für diese und ähnliche Plattformen ;)

Trackback URL:
http://sabined.twoday.net/stories/kreise-sind-rund/modTrackback


Autoren-ABC to go
Befindlichkeits-Blog
Bücher-Blog
BuchStabenTeufel
Cat-Blog
Crime-Blog
DasHaus-Blog
E-Book-Blog
Ego-Blog
Erklär-Blog
Fasten-Blog
Hosentaschen-Blog
Job-Blog
Lach-Blog
Lahn-Leichen-Blog
Mitleid-Blog
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren