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Job-Blog

04. 08. 09

Das Schreiben der Lämmer

Es gab Zeiten, in denen ich relativ empfindlich darauf reagiert habe, wenn ich von mutmaßlichen Kunden nach stundenlanger Angebotskalkulation, obwohl dieser akribischen Eruierung gleich zu Beginn ein ungefährer Rahmen vorausgeschickt wurde, eine Abfuhr bekam. Abfuhren dieser Art sind meist sehr leise bis vollkommen schweigsam und sagen entweder sinngemäß "Ich überleg‘s mir noch mal und melde mich wieder …" oder eine Reaktion bleibt ganz aus. Sagen wollen sie dasselbe: Ups, zu teuer!
Solchen Schäfchen muss man sich oft weit unter Wert anbiedern, um die Kommunikation am Leben zu halten. Wer will das schon?

Früher hat mich so was angesäuert und ich dachte: Ihr Schafe, warum klaut ihr mir meine Zeit, habt ihr keine andere Wiese zum abgrasen?

Aber die Zeiten haben sich geändert, so wie ich mich auch in einigen Dingen verändert habe. Und auch die Schäfchen blöken wieder lauter und haben seltener Scheu, direkt zu sagen: "Ist mir zu teuer, mäh."
Na gut, am Ergebnis ändert es wenig: Eine Zusammenarbeit findet nicht statt.

Mittlerweile kann ich mit dem Schreiben oder Schweigen der Lämmer ganz gelassen umgehen. Mir ist die Lust vergangen, jeden be-scheren zu wollen, dass Textarbeit eine Arbeit ist wie jede andere auch und dass hinter einem Preis mit vier oder fünf Ziffern kein 24-Stunden-Job steht, sondern oft Wochen oder Monate Arbeit, womit das tatsächliche Einkommen von uns Mulitmillionären - umgelegt auf den Zeitaufwand - schon wieder in einem ganz anderen Licht dasteht.
Wir Texter und Schreiber sind - ich schwöre - alle nicht die Großverdiener, die man gern in uns sehen will, auch wenn wir's gerne wären. Es ist deshalb schon fast ein bisschen frech - oder naiv - zu fragen, ob man nicht einen Job, der 2000 Euro wert ist, auch für 300 machen könnte, weil die von der Konkurrenz machen's ja auch ...

Nun, wer mit angemessenen Honoraren abseits von Beleidigungen ein Problem hat, soll sich doch bitteschön gleich einen der Konkurrenz-Böcke suchen, der breit ist, für Almosen auch noch gute Arbeit abzudecken. Von denen gibt es glücklicherweise genug, von deren Arbeitsmoral -qualität wollen wir mal nicht reden. Und auch nicht von der engagierten Verzweiflung, die einige dazu treibt, einfach alles für jeden Appel und ein paar Eier zu bespringen ... Kann, wer so voller Existenzsorge ist, überhaupt noch kreativ arbeiten ...? Das ist wie Lotto spielen, das muss man einfach riskieren, Mensch.

Aber auch, wenn es oft erst einmal aussieht, als nähmen die Hobby- und Discount-Texter uns armen Fleißbienchen die Jobs weg ... ganz oft kommen sie trotzdem wieder - die Discount-Kunden - und stellen traurig fest, dass sie eine ganze Menge hätten sparen können, wären sie gleich geblieben.

Zu der kleinen Schadenfreude, die mich dabei besteigt, traue ich mich, hinzufügen:
Ich bin nicht teuer, ich bin wertvoll!

Denn anders wäre es so, als wäre ich eine Edelnutte und würde mich benehmen wie eine 10-Euro-Schlampe.

Also, macht, was ihr wollt, ihr Lämmer, schreibt oder schweigt, aber stehlt mir nicht meine Zeit. Denn ich bin nicht mehr die Jüngste und lege mich lieber in die Sonne und lasse mir den Bauch kraulen, anstatt mich stundenlang mit fremdem Kram zu beschäftigen, der mich schon deshalb nicht interessieren muss, weil ihr längst wisst, dass ihr in der falschen Liga gelandet seid.

PS: Bei MyHammer gibt's übrigens einige Kollegen, die sich ein Bein ausreißen für schlecht bezahlte Text-Jobs. Da findet jeder den Anbieter, den er verdient.

13. 05. 09

Alles Abzocker

Anruf bei FrauD vor irgendwann:

Andres Ende: Gute Frau, hör’n S’e mal, ich habe da ein Manuskript, und jetzt weiß ich gar nicht, wie es weiter geht.

FrauD: Und wie genau kann ich Ihnen helfen?

Andres Ende: Na ich dacht‘, das können S’e mir selber sagen.

FrauD: Woher denn? Ich weiß ja nichts über Ihren Text.

Andres Ende: Manuskript, bitteschön ja?

FrauD: Entschuldigung, aber auch darüber weiß ich nichts. Suchen Sie jetzt einen Verlag?

Andres Ende: Umhimmelslottchennochenen, nein, was glauben S’e denn?

FrauD: [räuspert sich ratlos und leicht angespannt]

Andres Ende: Also es is’ja so, dass ne Geschichte nen Anfang, ne Mitte und’n Ende hat, ja?

FrauD: Könnte man so … ausdrücken, ja.

Andres Ende: Und jetzt is‘ ja die Mitte fertig.

FrauD: Verstehe.

Andres Ende: Und der Anfang sowieso, klar soweit?

FrauD: Glasklar.

Andres Ende: Und wie geht’s jetzt weiter?

FrauD: Wie, wie geht’s jetzt weiter? Vielleicht mit dem Ende, würde ich annehmen?

Andres Ende: Jetzt ham’S’es, jepp. Und genau da weiß ich nicht, wie’s weiter geht.

FrauD: Oh. Und das soll ich Ihnen jetzt sagen?

Andres Ende: Bitteschön, sei’n S’e so nett.

FrauD: [zunehmend ungehalten] Aber ich kenne ja Ihre Geschichte – also den Anfang und die Mitte – gar nicht. Da müsste ich das Manuskript erst mal lesen und …

Andres Ende: Wenn ich’s jetzt gleich schicke, wie lange dauert’s bei Ihnen?

FrauD: Sollten wir uns vielleicht nicht erst mal um die Rahmenbedingungen einig werden?

Andres Ende: Um die was? Ach wissen S’e, ich erzähl Ihnen einfach am Telefon, worum’s geht, dann können S’e mir sagen, wie ich weiter machen soll.

Es folgt ein Schwall Worte, währenddessen kocht sich FrauD neuen, sehr sehr starken Kaffee und geht mal für kleine Mädchen, räumt die Waschmaschine aus und so Zeug …

Andres Ende: Was schlagen S’e mir vor?

FrauD: Tja, auf die Schnelle kann ich Ihnen dazu nichts sagen, da müsste ich mich …

Andres Ende: Was sind Sie denn für eine? Ham S’e Ihr‘n Beruf im Lotto gewonnen?

FrauD: Hallo? So was dauert vielleicht auch, oder? Und umsonst arbeite ich schon gar nicht, werden Sie wohl verstehen.

Andres Ende: SIE wollen von MIR Geld dafür, dass ich SIE angerufen habe? Und Ihnen vertrauensvoll meine unveröffentlichte Geschichte anvertraut habe. SIE? [seltsames Gegurgel in der Leitung zu hören]

FrauD: Ähm, ja, das tut mir ja jetzt leid für Sie, aber in der Regel lasse ich mich schon bezahlen, wenn ich für jemanden arbeiten soll ...

Andres Ende: Abzocker, alles Abzocker. [aufgelegt]

Anm. d. Red: Dieses Telefonat hat tatsächlich vor zwei oder drei Jahren stattgefunden. FrauD hat sich erlaubt, aus der Erinnerung heraus und in etwa den Wortlaut wiedergebend, die prägnantesten Passagen herauszufiltern und um ein wenig solidarisches Mitleid zu betteln. Wer jetzt meint, solche Anrufe seien Einzelfälle, der hat zwar recht, aber der sollte sich mal durchlesen, was mich andererseits per Mail erreicht.

Also ich persönlich finde: Darüber kann man witzige Bücher schreiben. Vielleicht Die Leiden der alternden FrauD oder so.

17. 04. 09

"Früh übt sich ...

... was ein Häkchen werden will", sagte Nagel und krümmte sich vor Lachen, als der Handwerker sich auf den Daumen schlug.
FrauD versinkt derzeit im charmantesten Teil unserer Sprache - den Sprichwörtern.
Herziges Thema, aber man fühlt sich teilweise wie im Zentrum eines Gordischen Knoten gefesselt.

26. 03. 09

Da gehen sie hin ...

... die Unternehmen.
Irgendwie fühle ich mich uralt, wenn ich gerade hören muss, dass es die Tageszeitung 20Cent nicht mehr gibt. Ich habe damals die Geburt begleitet und etliche Werbetexte und Rundfunkspots für den Countdown geschrieben. Dummerweise endete die Zusammenarbeit, weil ich viel Arbeit für wenig Geld machen sollte und bockig "Nö" gesagt habe. Und mir fällt gerade ein, dass meine damalige Ansprechpartnerin mir einen Satz nach dem Motto "Bei solchen Honoraren sind Sie ganz schnell weg vom Fenster" um die Ohren geworfen hat.
Tja, hätten die mich mal besser bezahlt ... dumm gelaufen, fragt sich nur, für wen. Ich bin nämlich noch da ;)

25. 03. 09

Mit Grippe liegt man im Bett ...

... oder: „...liege ich krank mit Grippe I'm Bett …“ - so kann man das auch schreiben.
Ich mache mich ja gerne über diverse Dinge lustig. Selbst wenn es klingt wie garstige Klugscheißerei, ist es meist nicht böse gemeint, vielleicht ein bisschen ironisch. Wenn man selbst viel schreibt und mit Texten zu tun hat, weiß man um die Unzulänglichkeiten, die einen packen können. Flüchtigkeitsfehler passieren, und es ist bei der Schwere und Kompliziertheit der deutschen Sprache kein wirkliches Drama, wenn der eine oder andere Patzer passiert, selbst dann nicht, wenn derjenige, der patzt, es eigentlich besser können sollte.
Passiert mir auch - und dafür habe ich schon Schelte bekommen nach dem Motto „Ihnen als Lektorin sollte das aber …“ - klar sollte nicht, passiert auch nicht oder nur sehr selten, wenn ich Geld dafür bekomme. In mehr oder weniger privaten Texten aber wie im Blog, wo ich keine Veranlassung sehe, jeden Beitrag auf Herz und Nieren zu überprüfen, weil ich ihn nebenbei schreibe und rein schmeiße, will ich keine drei Korrekturläufe machen. Das heißt längst nicht, dass ich bewusst schlampig schreibe. Ich gebe mir schon Mühe, je nach dem, wie viel Zeit und Konzentration ich investieren kann.
Diesen kleinen Auszug oben aus einer wenigzeiligen Mail, die man an mich weiterleitete, habe ich drei Mal lesen müssen. Fahrig wischte ich immer wieder auf meinem Monitor rum - kann ja nicht sein -, ich dachte wirklich, da würde ein Fussel hängen. Aber es war keiner ...
An sich nicht ungewöhnlich, der/(die)/das Idiotenapostroph ist weit verbreitet und ich kann meist gönnerhaft darüber schmunzeln, aber mit dem Wissen, WER so schreibt, komme ich nicht zurecht. Es stammt aus den Regionen einer Verlagsleitung mit Background/Referenzen Cheflektorat diverser namentlich bekannter Verlage. Der darüberstehende Verlag ist so bekannt, dass ich mich nicht traue, hier auch nur eine Andeutung zu machen.
(Oder soll es vielleicht heißen ... I am Bett ...?)

Ich bin sehr verstört. Was ist eigentlich in den Verlagen/Agenturen los, was für Leute beschäftigen die da? Wie kann es sein, dass man gerade von den Quellen, an denen man sich als Autor regelrecht verbiegt und buckelt und zum Deppen machen muss, wenn man nur den Hauch einer Chance von „Eindruck“ hinterlassen will, solche Feedbacks bekommt?
Madame Oz-Tusse schrieb vor einigen Tagen auch was drüber, und sie muss keine Angst haben.
Ich finde, darauf kann man jetzt mal kräftig rumtrampeln, denn irgendwie fühlt man sich ein bisschen verarscht. Man macht sich zum Heiopei, damit alles möglichst perfekt ist, wahrt die Form auf allen Ebenen, heuert vielleicht vorher noch Leute wie FrauD an und bezahlt die teuer, damit das Baby wenigstens annähernd solide und fehlerfrei auf dem Tisch eines solchen „Entscheiders“ landet, und dann bekommt man Antworten, die aussehen, als wären die Hühner drübergelaufen und hätten die Buchstaben durcheinandergescharrt – wird schon ungefähr passen …
In dem Zusammenhang fällt mir eine ziemlich kecke Antwort ein, die ich vor einigen Jahren von einem Verlagslektor bekommen und jetzt mal ausgegraben habe – ein Feedback auf eine Manuskriptbewerbung, die mMn grundsätzlich in'de'Reih' war (das war Hessisch).
Hier hatte sich leider im Exposé ein Wortdoppler versteckt, was meist dann vorkommt, wenn man ständig an Sätzen rumändert, irgendwas löscht, neu schreibt … es ist halt vergessen worden, ich habe es einfach übersehen, und so stand dann irgendwo in der Mitte: „Lena flieht in die Villa und versteckt sich sich im Kellergeschoss …“

Nach der Absage habe ich die Leseprobe mehrmals überprüft, weil ich total verunsichert war – alles andere war aber korrekt, es gab nicht mal mehr ein doppeltes Leerzeichen.
Die Koryphäe, die mir also drei Tage später kurz und bündig per Mail absagte, konnte es sich nicht verkneifen zu schreiben: "Und befor sie das nächste Manuskript einreichen sollten Sie sich die Zeit nehmen und es af Fehler prüfen. Da vergeht einem ja am Frühen morgen schon die laune ..."

Ich schwöre, dass diese Antwort aus der Mail kopiert ist und die Fehler darin Originale sind.

Kein Wort zur Idee selbst, oder ob es ein bisschen gefallen hat oder gar nicht, nicht mal der Standardsatz "... leider Programm schon verplant ... hat nichts mit der Qualität Ihres Manuskripts selbst zu tun ..." Nix, null, nada …

Ich muss gestehen, da keimt eine ziemlich bösartige Arroganz in einem auf. Haben wir das nötig, wir „unaufgefordert einsendende Autoren“? Nicht mal das war es, den voraus ging ein Telefonat, in dem ich das Projekt kurz vorgestellt habe und das ich „gerne“ einsenden durfte, und zwar direkt zu Händen von Herr LeckmichamArsch, denn es würde hochinteressant klingen …

Mir ist bekannt, wie viel Mist über die Schreibtische mancher Verlage wandert. Und ich habe allergrößtes Verständnis für die Kollegen, die genervt davon sind und gleichzeitig dazu verdonnert, von allem wenigstens die ersten Sätze lesen zu müssen, um vielleicht heute die eine Perle zu finden, nach der gesucht wird. Ebenso gut kann ich verstehen, dass man einen schlechten Tag hat, steife Finger oder frustriert drüber ist, wenn Sex nur noch als Wort im eigenen Leben existiert und nicht mehr als Tat, aber ich glaube schon, dass jemand, der sich solche Kritiken leisten will, erst mal seine eigene Unfehlbarkeit zeigen soll.
Das Wissen darum, dass es von solchen Figuren abhängt, ob die eigene Karriere eine Zukunft haben kann, macht mürbe und demotiviert gewaltig.

Ich glaube, das war die Zeit, in der ich aufgehört habe, Proben meiner eigenen Manuskripte zu verschicken. Seit dieser Antwort beschränke ich mich darauf, nur noch für andere zu klappern. Das klappt wenigstens und ich kann als Puffer fungieren, wenn ich mal wieder an einen solchen Schwachkopf gerate.
Sollte es eines Tages ein Buch von FrauD geben, das in einem einigermaßen bekannten Verlag herauskommt, wurde ich entweder entdeckt und beauftragt, das Ding zu schreiben, hatte bestes Vitamin B oder bin Lottomillionärin geworden und habe den Verlag einfach gekauft. Oder jemanden bestochen, wer weiß.

So, und morgen kommt wer von der Zeitung zu FrauD und will den Lektoren-Alltag porträtieren, und was mache ich? Am besten schäme ich mich in einer meiner vielen Ecken für manche Kollegen …
"Schick disch Deutschunderischt, Alda, machma Schreibzeug!"

23. 03. 09

Kunde droht mit Auftrag

Langsam werde ich sauer. Nein, ich werde nicht, ich bin schon sauer. Stinksauer, um genau zu sein. Nichts gegen clevere Geschäftsideen im Internet, dass sie funktionieren können - jedenfalls eine Zeit lang, wenn sie besonders sind -, beweisen Ibäi und Konsorten.
Einer von diesen "Konsorten" ist Mein Werkzeug (Name v.d. Red. geändert). Anfangs eine nette Plattform, über die man günstig an Handwerker und Dienstleister kommen kann, die bereit sind, sich auch mal unter Wert zu verkaufen.
In der Branche, in der ich mich tummle, gibt's aber auch zigtausend andere Tümmler, und was die zu bieten haben, kann man oft nicht auf Anhieb sehen. Fakt ist aber, dass Auftraggeber, die bspw. einen Werbetexter oder Lektor/Korrektor suchen, oft schon eine völlig verquere Grundvorstellungen von einer halbwegs angemessenen Honorierung haben, aber es trotzdem genug Auftragnehmer gibt, die diese lächerlichen Preise noch unterbieten.
Da setzt bspw. just im Moment jemand eine Preisvorstellung von 200 Euro für das Lektorat eines 250-seitigen Manuskripts an, und nach nur einem Tag Laufzeit ist das Ding schon runtergehandelt auf 148 Euro (Update 8:50 Uhr = 145 Euro). Wenn man das jetzt vorausschauend umlegt auf die verbleibenden 29 Tage Laufzeit des Auftrags, wird der Auftraggeber vermutlich am Ende noch Geld vom Auftragnehmer kriegen.
Oder da will jemand einen Werbetext geschrieben haben – natürlich einen, der auch seinen Job macht – und sucht jetzt einen Auftragnehmer „…egal ob Hausfrau, Studentin, Rentner oder Profi …“ – Aha. Für geschätzte 50 Tage Arbeit (das war jetzt übertrieben, aber Übertreibung in jede Richtung ist auch von Anbieterseite angebracht) könnte man rein theoretisch 80 Euro oder so verdienen. Wenn man mitbietet und sich drauf einlässt.
Darüber habe ich mich schon lange genug geärgert, und mir ist es in den Jahren, in denen ich da eher inaktiv angemeldet bin, erst einmal untergekommen, dass ich einen Auftrag bekommen habe, der nicht nur besser bezahlt war als im Startpreis angekündigt, sondern bei dem ich überhaupt das höchste Gebot abgegeben hatte. Das war so einer von diesen Ausnahmefällen, auf die man nicht warten darf, weil man in der Zwischenzeit Insolvenz anmelden kann.
Mittlerweile habe ich es völlig eingestellt, solche Aufträge zu beobachten oder gar ein Angebot abzugeben. Ich werde nicht für 35 Euro ein 100 Seiten starkes E-Book schreiben, Homepages betexten, Werbetexte verfassen, Manuskripte lektorieren oder was weiß ich.
Nix verdienen kann ich auch, ohne arbeiten zu müssen.
Aber was sich das Werkzeug seit Neuestem ausgedacht hat, ist frech. Es gibt eine Art Branchenbuch, in dem sich jeder Gewerbetreibende oder Freiberufler eintragen kann. Das heißt, Auftraggeber können nicht nur Aufträge einstellen und abwarten, wer sich drauf einlassen will, sie können gezielt im Branchenbuch nachschauen, wer dafür infrage kommen kann. Und in dem Fall direkt Kontakt aufnehmen  wenn  derjenige, welcher, einen kostenpflichtigen Brancheneintrag hat.
Kostenpflichtig bedeutet in dem Fall, dass man Businesspartner des Werkzeugs wird. Das bedeutet weiter, dass man schwört, für mindestens 12 Monate jeden Monat 19,90 hinzublättern, um Ausschreibungen bis 500 Euro beantworten und von potenziellen Kunden kontaktiert werden zu können. Das Ganze ist natürlich nach oben gestaffelt je nach Auftragsvolumen. Auftragnehmer aus dem Bauhandwerk, die gute Gründe für einen unbegrenzten Auftragswert haben, müssten also theoretisch um die 60 Euro jeden Monat an das Werkzeug abdrücken. Also für ein Mindestlaufjahr um die 700 Euro. Ohne überhaupt einen Auftrag im Sack zu haben oder die Garantie zu bekommen, in absehbarer Zeit einen an Land zu ziehen. Denn die Konkurrenz ist groß und die Dumping-Anbieter in der Mehrzahl.
Als ob diese Masche nicht schon dreist genug wäre – denn wer auf den Businesseintrag und die monatliche Zahlung von mindestens 19,90 Euro verzichtet, taucht im Branchenbuch nicht detailliert auf, sondern nur als anonymer Anbieter ohne Adresse und Bewertungen –, arbeitet das Werkzeug zusätzlich mit Ködern.
In den letzten zwei oder drei Wochen habe ungefähr eine Hand voll Mails bekommen, in denen ungefähr steht: „Eben hat ein interessierter Kunde Ihr Werkzeug-Profil im neuen Branchenbuch besucht und Ihre Kontaktdaten angefordert. Werden Sie jetzt B-Partner!!!“
Und im schreierischen Betreff stand heute z.B.: KUNDE DROHT MIT AUFTRAG!!!
Wenn ich also rauskriegen will, ob da tatsächlich ein interessierter Kunde traurig durch die Welt tappst und darauf wartet, ausgerechnet mit mir einen Deal abzuschließen, muss ich erst einmal 238,80 Euro berappen. Um die wieder reinzubekommen, müsste ich zwölf bis dreizehn Manuskripte lektorieren nach dem o.g. Schema. Plus minus. Es ist ja nicht damit getan, einen Auftrag zu bekommen. Denn sobald ein Auftragnehmer den Zuschlag erhält, schickt das Werkzeug schon eine Provisionsrechnung, die man schnell bezahlen darf (muss), ob man schon die Kohle verdient hat oder nicht (ich sitze noch immer auf einer solchen Rechnung, weil der entsprechende Auftrag dazu unbezahlt geblieben ist – das interessiert die aber nicht, ich kann den Mistkerl immerhin schlecht bewerten).
Es kann natürlich aber auch sein, dass da jemand gelangweilt durchs Branchenbuch klickt und wahllos und ohne ernste Absichten Kontaktdaten anfordert. Oder es könnte ja auch sein, dass die Werkzeug’schen Mitarbeiter einfach den Hals nicht voll kriegen. Wer garantiert einem denn, dass es da tatsächlich Chancen auf einen Deal gibt? Kein Mensch …
Die wollen einen also richtig aggressiv auffordern, endlich den Geldbeutel aufzumachen, ohne Gewähr. Wenn die Anfrage von der anderen Seite transparent wäre – was vielleicht so aussehen könnte, dass es zu einem Kontaktdaten-Austausch kommt (man also nicht nur seine Daten irgendwie in die Welt jagt, sondern als Gegenleistung auch die des Anfragers erhält) – könnte man vielleicht noch seriöse Absichten dahinter sehen. Aber davon ist nirgendwo die Rede. Irgendjemand klickt, und damit dieser irgendjemand erfährt, wen er da angeklickt hat, muss dieser „wen“ erst mal löhnen … Sauerei, das.
Mir juckt es in den Fingern, da anzurufen und denen zu sagen, was ich von der Strategie halte und was die mich mal können. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Lust auf eine 0900er-Nummer, die mich wahrscheinlich erst mal eine halbe Stunde in die Warteschleife steckt, ehe ich jemanden zusammenscheißen kann.
Ich finde das traurig, ärgerlich, beschissen und einfach widerlich. Als hätten wir Freien – gerade in dem Bereich – nicht schon genug zu kämpfen, weil Textarbeit an sich in den Augen vieler keinen wirklich hohen Stellenwert hat und weil es unter den „Kollegen“ noch mehr gibt, die sich einfach mal Texter/Lektor/… nennen, weil diese Berufe nicht so wirklich geschützt sind. So, als wären es Handlangerarbeiten, die eigentlich jeder auch selbst machen könnte, als wäre es eine Art von gnädiger Herablassung, wenn man einen Job bekommt und auch ein bisschen Geld dafür.
Ich bin so was von stinksauer, wie man montags nur stinksauer sein kann. Und ich werde jetzt meinen Account umgehend löschen.
Die können mich alle mal am A... lecken.

06. 03. 09

Von der Arbeit

... sprang vom Baum runter und verstauchte mir dabei linke Ferse und Schulter. "Sei froh", sagte Lena, "dass du dir den Trizeps nicht gebrochen hast", als ich mir mit schmerzverzerrtem Gesicht den Arm rieb.

Ja ja, lektorieren kann auch ganz schön in die Knochen gehen, seufz ...

05. 03. 09

Vorsilbensinn, Kannibalismus und Co.

Buchstabenkuriositäten kommen mir häufiger unter. Oft sind es niedliche Verdreher (vernäht und zugeflixt), Mischmaschs (da wird doch die Katze in der Pfanne verrückt) oder exotische Wortkompositionen (jetzt wird hier aber mal ruhig gesein) und so Zeug.
Seltener sind Sätze, die auf den ersten Blick normal klingen, bei denen man aber gleich merkt: Da stimmt doch was nicht, und sie noch mal liest. Zum Beispiel der: „Der Fisch sah schrecklich aus, aber mein Mann war begeistert, und als ich ihn zubereitet hatte, probierte ich sogar ein Stück von ihm.“
Und das ist einer meiner Lieblingssätze: „In deinen Augen mag ich eine gemeine Hure sein, aber in seinen Augen bin ich einfach und bezahlbar.“
Ein typischer Schreibfehler, der nicht zuletzt deshalb öfter auftritt, weil die automatische Worterkennung ihre Finger im Spiel hat und aus einem beabsichtigten „un“ kurzerhand ein „und_“ macht.

04. 03. 09

Fundstücke

Beim Aufräumen in Outlook entdeckt:

Liebe FrauD,
wie ich ihrer Wepseite entnehme arbeiten sie ja auch als Ghostrider ...


Wusst ich's doch. Lieber Ghostrider als gar kein Ferd ;)

10. 05. 08

Tag 7 - Home, sweet home

Das war’s nun. Wir schreiben Freitagnacht, oder Samstagmorgen, und die Jobwoche neigt sich dem Ende. Hundertausend neue Sachen habe ich wahrgenommen, gesehen und genossen, viel Altbekanntes getroffen, ne ganze Menge gearbeitet und Sonnenbrände kassiert, Hände geschüttelt von Menschen, deren Autogramme von anderen gesammelt werden und seit Ewigkeiten mein Element Wasser mal wieder an seinen Basics besucht – wow, ich liebe das Meer noch immer – und festgestellt, dass einfach jeder zum Kacken die Knie krumm machen muss, egal wie bekannt und wichtig oder unbekannt und nichtwahrgenommen man ansonsten ist.
So schön es auch hier ist, ich freue mich unglaublich aufs Heimkommen, darauf, meine Süßen wieder durchzuknuddeln, die hässliche Straße zu dem hässlichen Haus hochzufahren, in dem die liebsten Menschen auf der Welt wohnen, das Geschrei zu hören, vor dem ich – ein bisschen, zugegeben – geflüchtet bin und in den öden Alltag an gewohnten Plätzen einzutauchen, die einem ohne Unterbrechung ja manchmal sowas von auf den Senkel gehen, dass man oft nur noch weglaufen möchte.
Obschon die vergangen Tage auch anstrengend waren, habe ich im Koffer ordentlich Kraft, Relax und Ausdauer für die nächsten Wochen und Monate drin, neben Schnickschnack als Mitbringsel, vielen heißen Infos, mit denen ich reich werden könnte, und einem ziemlich warmen Gefühl von Achtung über eine gewaltige Leistung, der ich wünsche, dass sie sich in absehbarer Zeit in einen bahnbrechenden Erfolg verwandelt.
Obwohl hier, irgendwie in Afrika, alles schon ein bisschen wie zuhause ist – man kennt das ja: Kinder, Mann, Haushalt, Stress mit dies und das … da ändert weder Land noch Lebenslauf was dran … ein Leben im Taubenschlag – ist es doch neu und auch fremd gewesen, vertrautneu und vertrautfremd. Schön und befremdlich, lehrreich und aufmunternd, sehr fantastisch und auch altbekannt.
Nun hoffe ich vor mich hin, dass das Ergebnis dieses Jobs seine Früchte tragen wird. Ganz ist er noch nicht beendet, aber ich habe ein gutes Gefühl, denn das Puzzle, das dem zugrunde liegt, hat schon ein erstaunliches Bild ergeben, dass ganz sicher nicht nur mich entführt und begeistert.
See you later in good old Germany.

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Der Tote vom Maschsee


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Die Totengräberin


Gisa Klönne
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Achim Albrecht
Im Netz des Chamäleons


Cody McFadyen
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Sabine Kornbichler
Gefährliche Täuschung

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