So ein typisches Weibchen war ich sicher nie, und hier beziehe ich mich auf das
Verfälschen Verbessern des äußeren optischen Eindrucks. Will sagen, Modetrends, stylistische Aussetzer, Haarpampe oder kosmetische Extravaganzen wie dieses gemeine Augenbrauen zupfen oder allwöchendliche zum-Friseur-rennen-müssen, weil es der neueste Schnitt so will, sind nicht meins, werden nie meins. Im Bereich der schönmachenden Körperpflege gehören wohl meine Erfahrungen mit Kaltwachs zu den unangenehmsten, auch wenn ich hier - angenähert an Fishermans Friend - sagen muss: Tut es zu weh - bist du ein Mann! Ich konnte mich als wahre Rassefrau nie recht entscheiden, ob ich mich nicht wenigstens im Sommer diesem glattmachenden Haarentfernungsk(r)ampf beuge, um nicht wie eine vergessene Grüne aus den 70ern dazustehen, oder im Zweifel lange Hosen trage. Um ehrlich zu sein: Ich beuge mich ihm gelegentlich, aber nicht immer. Schon deshalb, weil es viel Zeit kostet und ich diese Zeit für mich nicht als entspannend verbuchen kann. Nur ist leider gerade diese Wachserei das Mittel, um anschließend ein paar Wochen Ruhe zu haben.
Tägliches Schminken war ebenfalls viele Jahre meinen Launen unterworfen. So viel natürliche Schönheit verdient es nicht, versteckt zu werden ... könnte man rechtfertigen. Mittlerweile greife ich automatisiert morgens zu Lidschatten, Kajal und Wimerntusche mit einem kleinen Hauch von Sommerpuder. Das dauert (ich hab's mal gestoppt) um die 58 Sekunden. Ich finde, das geht.
Auch das schnöde Belacken von Fuß- und Fingernägeln war eigentlich nie etwas, das zu meinen gebetsmühlenartigen Ritalen gehörte, im Gegenteil: Wenn ich ausnahmsweise zum Lacktopf gegriffen habe, konnte man bestimmt im Laufe der kommenden Wochen mitansehen, wie die Farben sich gemäß ihrer schwindenden Natur nach und nach unhübsch ablätterteten.
Allerdings mochte ich es immer ganz gerne, wenn schon, die Normen zu umgehen. Das führte dann z.B. in einem Italienurlaub in den 90ern dazu, dass meine abwechselnd grün-braun-metallic lackierten Fuß- und Fingernägel für Aufsehen sorgten, weil dieses Bild zumindest damals noch etwas ungewöhnlich war.
Das führte auch vor Kurzem dazu, dass mein Arschgeweih, das ich schon lange hatte, bevor man das erste im TV bewundern konnte, noch immer da ist, wo es ist und auch gar nicht stört, auch wenn es heuer wirkt, als wäre es Massenware. Und das führt im Bereich Tattoo/Körperkult weiter dazu, dass mein lange Zeit ornamentverzierter Handrücken sein Alleinstellungsmerkmal langsam verliert. (Ich hab's vor Jahren schon geahnt, als die Ersten, die es nicht nur skeptisch bestaunten, sondern neugierig fragten, ob es echt ist oder Henna und wo ich es hätte machen lassen.)
Nun könnte ich mir einbilden, ein Trendsetter zu sein, aber dafür kennt mich kaum jemand, doch ich denke mal, dass selbst die großen Trends von gestern, heute und morgen lange vorher von irgendjemandem gesetzt worden sind, bevor ein Promi sie für sich entdeckte und der Welt zeigte und zig-1000 alles nachäfften.
Doch zu einer noch gar nicht so alten Macke muss ich mich jetzt mal bekennen. Viele Frauen sammeln Klamotten, andere Schuhe oder Gürtel, manche Männer oder Haarfarben.
Ich sammle künstliche Fingernägel. Das heißt, ich sammle sie nicht, ich verwende sie einfach. Und zwar nicht diese langweiligen Tips, die vorne weiß sind und in ewigen Studiositzungen permanent wieder restauriert werden müssen.
Das habe ich irgendwann vorher mal angefangen, weil ich keine Lust mehr auf abgebrochene Nägel hatte.
Es gefiel mir nur nicht, meine Hände vom Terminplan einer Naildesignerin abhängig machen zu müssen und das auch noch teuer zu bezahlen, also kaufte ich mir irgendwann mal das notwendige Zubehör und seitdem naildesigne ich zuhause vor mich hin.
Die Neugierde für das Thema hat mich zu kleinen Kunstwerken geführt. Als ich die
ersten Airbrush-Acrylnägel im letzten Frühling zum Aufpappen gesehen habe, war ich hin und weg und musste sie gleich haben. Und hier in der Gegend hat auch das noch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, denn man sieht es nicht ganz so oft. Während der French-Look ja ein alter Hut ist, der noch immer gern getragen wird und den viele sich gar nicht trauen, abzulegen, bin ich so fasziniert von der steigenden Farben- und Mustervielfalt der Angebote, das ich mir am liebsten täglich eine neue Variante auf die Finger kleben möchte. Das wäre jetzt nicht so besonders gesund für meine Naturnägel, aber immerhin hat sich dieses Faible tatsächlich wie eine Macke in mir festgesetzt.
Ich gestehe: Ich stehe total drauf, auch ungeschminkt, unrasiert und unausgeschlafen!
Edit: Mittlerweile kommt es immer öfter vor, dass ich gefragt werde, ob ich "so was" mache. Die Optionen für einen Alternativ-Job sind also gar nicht mal schlecht. Ich seh's schon leuchten:
FrauD's provocant FingerArt
*(^_^)*