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04. 03. 09

Ein unmoralisches Angebot

Als Robert Redford 1993 Demi Moore das unmoralische Angebot machte, für eine Nacht mit ihm eine Million Dollar zu zahlen, war ich – zugegeben – neidisch und stellte mir manchmal vor, wie es wäre, ein ebensolches Angebot zu bekommen. Eine Nacht, meine Güte, was ist schon eine verdammte Nacht, wenn man sich anschließend fühlt wie Dagobert Duck und angeben kann wie eine Tüte Mücken! Ich stellte mir also vor, es käme einer von diesen Geldsäcken daher und würde mich derart liebreizend finden, dass ich ein ernstes Gespräch mit meinem Göttergatten über unser wirtschaftliche Lage führen müsste, und spulte im Geiste ab, wie dieser Dialog hätte aussehen können: Er schlug vor, K.-o.-Tropfen in die Tasche zu stecken. Es müsse ja nicht vertraglich geregelt werden, dass mein volles Bewusstsein vonnöten wäre. Ich hielt dagegen, er könne sich ja solange mit Jackie aus Daniels trösten. Immerhin würde ich schon wissen wollen, wer da was mit mir machte. Er wieder meinte, es bestünde die Gefahr, dass ich mich in diesen Geldsack verlieben oder den Hals nicht vollkriegen würde und er später dumm dastünde. Ich argumentierte, dass ich, würde ich auf alte Geldsäcke stehen, wir beide dieses Gespräch heute gar nicht führen würden, weil wir uns dann nie kennengelernt hätten. Dann warf er mir vor, dass ich scheinbar käuflich wäre und ich war sauer und sagte: Wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis doch stimmt?
Wir haben dieses Gespräch nie geführt, ich schwöre. Aber er muss wohl gemerkt haben, dass ich mit meinen Gedanken ganz woanders war. Und liebevoll, wie er immer ist, wenn er meint, mir was Gutes tun zu müssen, bekam ich das erste unmoralische Angebot meines Lebens: „Weißt du Schatz, wir kochen uns jetzt was Schönes. Ich mache das Essen und du räumst später die Küche auf, okay?“

05. 02. 09

Spritz mir ins Gesicht, Baby!

Spiegel sind eine schlagkräftige Sache: Entweder sind sie beschlagen oder man will reinschlagen! Neulich morgens war mir nach reinschlagen, denn um meine Augen herum entdeckte ich plötzlich Falten, die am Tag vorher noch nicht da waren, ich schwöre. Sogar die Zornfalte zwischen den Augenbrauen schien deutlich tiefer als sonst. Untrügliche Zeichen des fortschreitenden Verfalls oder doch eher das Resultat einer Sorgenphase, einem dieser Zustände, die sich wortwörtlich im Gesicht widerspiegeln?
Na gut, dachte ich, versuch’s mit Lachen. Das soll ja Wunder wirken und selbst Falten einen gewissen Charme verleihen. Wie gesagt, ich dachte es ...
Zum ersten Mal erlebte ich am eigenen Leib, dass dieses Problem tagesfüllend sein kann. Was ich bis dahin hämisch lächelnd abgetan hatte - diese Prominenten-Pseudo-Falten-Phobie, diese zutiefst weibliche Angst vorm Altern (ich nehme an, das ist nur deshalb so, weil Männer es zugeben) - traf mich plötzlich mit unerwarteter Wucht.

Ich stürzte mich ins Internet, um nach Mitteln und Maßnahmen zu suchen, verglich tausende Anti-Aging-Cremes, las mich durch Hausmittelchen-Listen, lachte mich halb tot über Trainingspläne für Gesichtsmuskelgymnastik und blätterte mich durch Midlife-Crisis-Communitys. In Milch und Honig baden fand ich mindestens so albern wie täglich zehn Minuten Fratzen schneiden oder Gurken auf Quark im Gesicht, die ich lieber auf Tellern sehe. Ehrlich? Ich finde das Sauerei …
Ziemlich dämlich fand ich an diesem betreffenden Tag auch die kosmischen Weisheiten à la "Altern mit Würde" und "Trage deine Falten mit Stolz". Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, wo Stolz und Würde sich in dem Moment verkrochen hatten.

Im Dschungel der Kosmetikindustrie verlor ich mich komplett und betrachtete verstört die Hochglanzbeweise auf den grafisch bearbeiteten Bildern, von Hollywoodstars mit persönlichen Maskenbildnern oder von minderjährigen Models, die uns alternden Fregatten vorgaukeln, dass man beim Schmieren diverser Cremes zum Preis von Jahresgehältern bald genauso aussehen „könnte“.

Nachdem ich einen ganzen Tag mit dem Thema beschäftigt war, standen abends zwei armselige Begrifflichkeiten gegen Falten auf meinen Notizzettel, die Erfolg versprechend sein sollen: Botox und Sperma! Beide als absolute Wunderwaffen gegen den körperlichen Verfall verschrien. Verabreicht per Spritzen.
Die Frage, die jetzt noch bleibt: Bitte ich meinen Arzt oder meinen Mann: „Spritz mir ins Gesicht, Baby!“

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